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Ausgabe von 20:00 CETDonnerstag, 6. August 2026
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Freitag, 24. April 2026

Kunst und Moral: Venedig-Jury verwehrt Russland und Israel die Löwen-Auszeichnung

Die internationale Jury der diesjährigen Kunstbiennale von Venedig hat am Donnerstag einen beispiellosen Schritt vollzogen: Sie schloss Russland und Israel von der Vergabe der Goldenen und Silbernen Löwen aus. In einer von der Präsidentin Solange Farkas und ihren vier Mitjurorinnen veröffentlichten Erklärung heißt es, man werde sich der Prüfung jener Länder enthalten, deren führende Repräsentanten gegenwärtig vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind. Obgleich das Statement keine Staaten beim Namen nennt, besteht kaum Zweifel, dass die Haftbefehle gegen Wladimir Putin und Benjamin Netanjahu den Ausschlag gaben. Das rein weiblich besetzte Gremium begründete seinen Beschluss ausdrücklich mit der Verpflichtung, „die Menschenrechte zu verteidigen“ – ein Novum in der 130-jährigen Geschichte der Biennale.

Aus Moskauer Perspektive fällt die Reaktion erwartbar scharf aus. Russische Medien wie Meduza und iStories verweisen darauf, dass der russische Pavillon in diesem Jahr von Darja Generalowa kuratiert wird, der Tochter eines FSB-Generals und stellvertretenden Chefs des Staatskonzerns Rosseti. Die ohnehin enge Verflechtung von Kunst und Staatsapparat verleiht dem Jury-Votum dort eine zusätzliche Note: Man sieht eine politisch motivierte Ausgrenzung, die den kulturellen Austausch beschädige. Zugleich berichten unabhängige russische Stimmen süffisant über die Ironie, dass ausgerechnet ein stark vom Kreml durchdrungener Auftritt nun auf Distanz zur Staatsführung verpflichtet werden soll. In Israel hingegen hatte sich die Regierung bereits gegen Versuche gewehrt, den nationalen Pavillon gänzlich von der Schau auszuschließen. Die Entscheidung des Preisgerichts, israelische Künstler zwar ausstellen, aber nicht auszeichnen zu lassen, wird in Tel Aviv als halbherziger Kompromiss und moralische Herabstufung kritisiert.

Aus römischer und Brüsseler Sicht verwebt sich der Vorgang mit einer breiteren kulturpolitischen Debatte. Die Biennale-Leitung hatte noch im vergangenen Monat verfügt, dass Russland und Israel ihre Pavillons betreiben dürfen, die vom 9. Mai bis 22. November zu sehen sind. Dem war eine warnende Intervention der Europäischen Union vorausgegangen: Ein vollständiger Ausschluss Israels hätte, so verlautete aus der Kommission, EU-Kulturfördermittel für die Biennale gefährden können. Indem die Jury nun allein die Preisvergabe beschränkt, wahrt sie formal den Ausstellungsfrieden und setzt dennoch ein deutliches Zeichen – ein Schachzug, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Interesse verfolgt wird, weil er den schmalen Grat zwischen künstlerischer Freiheit und völkerrechtlicher Ächtung markiert.

Für die deutschsprachigen Länder, die mit eigenen Pavillons und Künstlern in Venedig stark vertreten sind, stellt sich die Frage nach dem Präzedenzfall. Sollten sich weitere Jurys großer Kulturbiennalen diesem Vorgehen anschließen, würde ein neues, völkerstrafrechtlich begründetes Kriterium Einzug in die Kunstwelt halten, das von Washington bis Peking unterschiedlich bewertet wird. Während westliche Beobachter die Entscheidung als konsequenten Beitrag zu einer wertebasierten Außenkulturpolitik loben, fürchten Skeptiker eine weitere Fragmentierung des internationalen Kunstdialogs in einer ohnehin polarisierten Zeit. Ob der moralische Imperativ der Jurorinnen die Strahlkraft der Goldenen Löwen dauerhaft verändert oder isoliert bleibt, wird maßgeblich davon abhängen, wie die Staatengemeinschaft auf den grundsätzlichen Konflikt zwischen künstlerischer Teilhabe und strafrechtlicher Verantwortung von Staatslenkern reagiert.

Aktuell
Hitzewelle in Marokko: Temperaturen bis 47 Grad und Gewitter·US-vermittelte Gespräche in Rom: Technische Fortschritte, aber keine Einigung über Ausweitung der Pilotzonen·US-Sanktionen gegen kubanische Militärs wegen Rüstungskooperation mit China und Russland·Vinicius Júnior verlängert bei Real Madrid bis 2032 – Arsenal geht leer aus·OpenAI beantragt Abweisung der Klage Apples wegen angeblichen Geheimnisverrats·In der Asche von Spokane: Sydney Sweeney und ehemalige Häftlinge im Kampf gegen die Flammen·Favoritensterben in Montreal: Zverev, Medwedew und Fritz scheitern beim Canadian Open·Firmware-Fehler in Coldcard-Wallets: Mehr als 100 Millionen US-Dollar in Bitcoin entwendet·Hitzewelle in Marokko: Temperaturen bis 47 Grad und Gewitter·US-vermittelte Gespräche in Rom: Technische Fortschritte, aber keine Einigung über Ausweitung der Pilotzonen·US-Sanktionen gegen kubanische Militärs wegen Rüstungskooperation mit China und Russland·Vinicius Júnior verlängert bei Real Madrid bis 2032 – Arsenal geht leer aus·OpenAI beantragt Abweisung der Klage Apples wegen angeblichen Geheimnisverrats·In der Asche von Spokane: Sydney Sweeney und ehemalige Häftlinge im Kampf gegen die Flammen·Favoritensterben in Montreal: Zverev, Medwedew und Fritz scheitern beim Canadian Open·Firmware-Fehler in Coldcard-Wallets: Mehr als 100 Millionen US-Dollar in Bitcoin entwendet·
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Freitag, 24. April 2026

Kunst und Moral: Venedig-Jury verwehrt Russland und Israel die Löwen-Auszeichnung

Die internationale Jury der diesjährigen Kunstbiennale von Venedig hat am Donnerstag einen beispiellosen Schritt vollzogen: Sie schloss Russland und Israel von der Vergabe der Goldenen und Silbernen Löwen aus. In einer von der Präsidentin Solange Farkas und ihren vier Mitjurorinnen veröffentlichten Erklärung heißt es, man werde sich der Prüfung jener Länder enthalten, deren führende Repräsentanten gegenwärtig vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind. Obgleich das Statement keine Staaten beim Namen nennt, besteht kaum Zweifel, dass die Haftbefehle gegen Wladimir Putin und Benjamin Netanjahu den Ausschlag gaben. Das rein weiblich besetzte Gremium begründete seinen Beschluss ausdrücklich mit der Verpflichtung, „die Menschenrechte zu verteidigen“ – ein Novum in der 130-jährigen Geschichte der Biennale.

Aus Moskauer Perspektive fällt die Reaktion erwartbar scharf aus. Russische Medien wie Meduza und iStories verweisen darauf, dass der russische Pavillon in diesem Jahr von Darja Generalowa kuratiert wird, der Tochter eines FSB-Generals und stellvertretenden Chefs des Staatskonzerns Rosseti. Die ohnehin enge Verflechtung von Kunst und Staatsapparat verleiht dem Jury-Votum dort eine zusätzliche Note: Man sieht eine politisch motivierte Ausgrenzung, die den kulturellen Austausch beschädige. Zugleich berichten unabhängige russische Stimmen süffisant über die Ironie, dass ausgerechnet ein stark vom Kreml durchdrungener Auftritt nun auf Distanz zur Staatsführung verpflichtet werden soll. In Israel hingegen hatte sich die Regierung bereits gegen Versuche gewehrt, den nationalen Pavillon gänzlich von der Schau auszuschließen. Die Entscheidung des Preisgerichts, israelische Künstler zwar ausstellen, aber nicht auszeichnen zu lassen, wird in Tel Aviv als halbherziger Kompromiss und moralische Herabstufung kritisiert.

Aus römischer und Brüsseler Sicht verwebt sich der Vorgang mit einer breiteren kulturpolitischen Debatte. Die Biennale-Leitung hatte noch im vergangenen Monat verfügt, dass Russland und Israel ihre Pavillons betreiben dürfen, die vom 9. Mai bis 22. November zu sehen sind. Dem war eine warnende Intervention der Europäischen Union vorausgegangen: Ein vollständiger Ausschluss Israels hätte, so verlautete aus der Kommission, EU-Kulturfördermittel für die Biennale gefährden können. Indem die Jury nun allein die Preisvergabe beschränkt, wahrt sie formal den Ausstellungsfrieden und setzt dennoch ein deutliches Zeichen – ein Schachzug, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Interesse verfolgt wird, weil er den schmalen Grat zwischen künstlerischer Freiheit und völkerrechtlicher Ächtung markiert.

Für die deutschsprachigen Länder, die mit eigenen Pavillons und Künstlern in Venedig stark vertreten sind, stellt sich die Frage nach dem Präzedenzfall. Sollten sich weitere Jurys großer Kulturbiennalen diesem Vorgehen anschließen, würde ein neues, völkerstrafrechtlich begründetes Kriterium Einzug in die Kunstwelt halten, das von Washington bis Peking unterschiedlich bewertet wird. Während westliche Beobachter die Entscheidung als konsequenten Beitrag zu einer wertebasierten Außenkulturpolitik loben, fürchten Skeptiker eine weitere Fragmentierung des internationalen Kunstdialogs in einer ohnehin polarisierten Zeit. Ob der moralische Imperativ der Jurorinnen die Strahlkraft der Goldenen Löwen dauerhaft verändert oder isoliert bleibt, wird maßgeblich davon abhängen, wie die Staatengemeinschaft auf den grundsätzlichen Konflikt zwischen künstlerischer Teilhabe und strafrechtlicher Verantwortung von Staatslenkern reagiert.

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