
Vertrauliche Iran-USA-Gespräche im Bürgenstock fortgesetzt
Trotz neuer israelischer Luftschläge im Libanon und der Absage von US-Vizepräsident Vance führen Diplomaten in der Schweiz die Gespräche über das Memorandum zur Beendigung des Nahostkrieges fort.
Am Samstag traf eine hochrangige iranische Delegation unter Leitung von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi in Zürich ein, um im Luxusresort Bürgenstock bei Luzern mit Vertretern der Vereinigten Staaten sowie der Vermittlerstaaten Katar und Pakistan über die Umsetzung des vorläufigen Abkommens zur Beendigung der Kriegshandlungen im Nahen Osten zu beraten. Das Schweizer Außenministerium bestätigte, dass die Gespräche in einem „diskreten und verlässlichen Rahmen“ stattfänden, nannte jedoch aus Gründen der Vertraulichkeit keine Namen oder Inhalte.
Aus Teheraner Sicht steht die Reise unter dem Zeichen des „Minab 168“ – eine Anspielung auf die Zahl der Opfer eines US-Luftangriffs auf eine Mädchenschule Ende Februar. Der iranische Verhandlungsführer Ghalibaf betonte, das Abkommen werde sich erst bei der Umsetzung bewähren, und forderte Washington mit Verweis auf frühere Vertragsbrüche zu ernsthafter Einhaltung seiner Zusagen auf. Nach Angaben des Schweizer Fernsehens RTS nehmen technische Delegationen aller vier Staaten teil; Irans Chefunterhändler in Sicherheitsfragen, Ali Bagheri, sowie der Gouverneur der Zentralbank und Vertreter der Ölindustrie sind mitgereist – ein Hinweis auf die wirtschafts- und sicherheitspolitische Komplexität der Materie.
Die bereits für Freitag geplanten hochrangigen Gespräche waren kurzfristig verschoben worden, nachdem israelische Luftangriffe im Südlibanon die fragile Waffenruhe in Frage stellten. US-Vizepräsident J.D. Vance sagte seine Reise am Donnerstagabend ab und warnte, die Gewalt überschatte das Abkommen, dessen erster Punkt einen sofortigen und dauerhaften Stopp aller Militäroperationen vorsieht. Dennoch trafen der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn und ehemaliger Berater von Präsident Trump, nach Medienberichten in der Schweiz ein. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir, von dessen Regierung die Vermittlerrolle offiziell bestätigt wurde, reisten ebenfalls an.
Die Wahl des Bürgenstock-Resorts, das dem katarischen Staatsfonds gehört und schon für streng vertrauliche Formate wie die Bilderberg-Konferenzen genutzt wurde, unterstreicht den Anspruch an absolute Diskretion. Die geografische Abgeschiedenheit auf einem Hochplateau über dem Vierwaldstättersee – nur per Schiff und Seilbahn erreichbar – soll Medien und Störsignale fernhalten. Dass Katar als Gastgeber und Mediator auftritt, ist eng mit den Wirtschaftsinteressen Kushners verknüpft, dessen Investmentfirma bedeutende Mittel vom katarischen Staatsfonds erhielt.
Am Sonntag sollen die technischen Gespräche fortgesetzt werden; der iranische Außenministeriumssprecher Esmail Baghaei bekräftigte, alle Verpflichtungen der Gegenseite müssten eingefordert werden, insbesondere die Beendigung der Kampfhandlungen im Libanon vor einer Wiederaufnahme der Verhandlungen. Die schweizerische Diplomatie, die traditionell als Schutzmacht für US-Interessen in Iran fungiert, beschränkt sich auf die Rolle der Gastgeberin und Hüterin des vertraulichen Rahmens. Offen bleibt, ob es unter diesen Bedingungen gelingt, das vorläufige Abkommen in belastbare Schritte zur Deeskalation zu überführen.
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.60 | critical |
|---|---|---|
| Arabische Golfpresse | +0.10 | neutral |
| Iranische & verwandte Presse | +0.40 | aligned |
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