
Visumsperren für afrikanische Fans werfen Schatten auf die WM 2026
Wenige Stunden vor dem Anpfiff verwehren die USA Anhängern der Elfenbeinküste und Senegals die Einreise – mit unmittelbaren Folgen auch für die deutsche Gruppenphase.
Kurz vor der Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sorgt die rigide Visapolitik Washingtons für diplomatische Verstimmungen und eine getrübte Turnieratmosphäre. Wie am Donnerstag aus afrikanischen Fankreisen verlautete, haben die Vereinigten Staaten organisierten Anhängerdelegationen aus der Elfenbeinküste und dem Senegal die Einreise verweigert. Für die deutsche Nationalmannschaft ist dies von besonderer Brisanz, denn sie trifft in der Gruppenphase auf die Elfenbeinküste – das Spiel wird damit voraussichtlich einseitig von deutschen und neutralen Zuschauern geprägt sein.
Die Weigerung, afrikanischen Bürgern Visa zu erteilen, steht im Kontext der von Präsident Donald Trump verschärften Einwanderungskontrollen. Aus Washingtoner Sicht handelt es sich um Maßnahmen der nationalen Sicherheit; Länder wie Somalia, die Elfenbeinküste und Senegal gelten dem Weißen Haus offenbar als potenzielle Risikoherde. Dass selbst akkreditierte Turnierteilnehmer betroffen sind, zeigte der Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Abdulkadir Artan, der am vergangenen Wochenende aus den USA ausgewiesen wurde. Die Einreisesperren treffen jedoch nicht nur Funktionsträger, sondern gezielt auch Fans, deren einzige Absicht die Unterstützung ihrer Mannschaften ist.
In Abidjan und Dakar reagierte man mit Fassungslosigkeit und Verbitterung. Julien Kouadio Adonis, Präsident des nationalen Fanverbands der Elfenbeinküste, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, die USA hätten „klar gesagt, dass sie unsere Anhänger nicht auf ihrem Territorium empfangen wollen“. Die Delegationen, die unter Aufsicht des Sportministeriums standen, sagten sämtliche Reisen ab. Für afrikanische Nationen, die oft über eine leidenschaftliche, aber weniger mobile Fanbasis verfügen, wiegt der Ausschluss schwer: Die sichtbare Präsenz im Stadion gilt als symbolische Teilhabe an der globalen Fußballgemeinschaft. Senegal und die Elfenbeinküste werden damit erstmals bei einer Weltmeisterschaft ohne nennenswerte Unterstützung aus der Heimat antreten.
Für den Weltfußballverband FIFA, der das Turnier unter dem Motto „United 2026“ vermarktet, ist die Entwicklung ein Imageproblem. Zwar hatte die FIFA bereits das Trikotdesign Haitis aus politischen Gründen untersagt, zur Visa-Frage schweigt sie jedoch bislang. Die ungleichen Bedingungen könnten den sportlichen Wettbewerb verzerren und werfen grundsätzliche Fragen zur Auswahl künftiger WM-Gastgeber auf: Dürfen Länder, die bestimmten Nationalitäten die Einreise verwehren, globale Sportereignisse ausrichten? Aus Sicht der deutschen Delegation und ihrer Anhänger bedeutet die Abwesenheit ivorischer Fans eine atmosphärische Verarmung, die dem Geist des Turniers zuwiderläuft.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.60 | critical |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.80 | critical |
Das US-Visumsystem wird als heuchlerisches Hindernis dargestellt, das den universellen Geist der Weltmeisterschaft untergräbt. Die europäische Berichterstattung betont die Ironie, dass Amerika ein globales Ereignis ausrichtet, während es Barrieren gegen afrikanische Fans errichtet, was auf ein Scheitern der US-Einwanderungspolitik hindeutet, Sicherheit und Offenheit in Einklang zu bringen.
Lateinamerikanische Medien stellen die Visa-Ablehnungen als Fortsetzung historischer Diskriminierung dar und prangern den Ausschluss afrikanischer Fans als neokolonialen Akt an. Sie drücken Solidarität mit den betroffenen Gemeinschaften aus und fordern, dass die FIFA den Grundsatz durchsetzt, dass der Fußball allen gehört, nicht nur den Privilegierten.
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