
Wenige Wochen vor Anpfiff: Weltmeisterschaft der Kosten und Kontroversen
Host Cities stemmen Milliarden, Fans warten auf Ticketgeld, Hotels buhlen um Gäste: Die Vorbereitungen auf die WM 2026 sind von finanziellen Spannungen geprägt.
Nur einen Monat vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Mexiko-Stadt zeichnet sich ein paradoxes Bild ab: Während die gastgebenden Städte in den USA, Kanada und Mexiko immense Summen in Stadionumbauten und Infrastruktur investieren, bleiben die versprochenen wirtschaftlichen Impulse vielerorts aus. In Los Angeles etwa liegt das Spielfeld des SoFi Stadiums, das am 12. Juni das erste Spiel der US-Mannschaft gegen Paraguay austragen wird, noch immer als kahler Erdboden da; erst in diesen Tagen soll der Rasen aus dem Bundesstaat Washington per Kühltransporter eintreffen. Aus US-amerikanischer Perspektive offenbart sich ein tieferer Konflikt zwischen FIFA und den Ausrichtern: Eine Umfrage der American Hotel & Lodging Association zeigt, dass die Zimmerbuchungen in den meisten der elf US-Spielorte hinter den saisonalen Erwartungen zurückbleiben, in Städten wie Kansas City, Boston oder San Francisco sogar deutlich.
Besonders deutlich wird die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Frage der Anreisemodalitäten. Als die drei Ausrichterländer 2017 den Zuschlag erhielten, versprachen sie kostenlose öffentliche Verkehrsmittel für Ticketinhaber – ein Zugeständnis, das FIFA angesichts der explodierenden Kosten 2023 wieder revidierte. Als Reaktion darauf verlangte New Jersey zunächst 150 Dollar für die Round-Trip-Fahrkarte von Manhattan zum MetLife-Stadion, senkte den Preis nach heftiger Kritik jedoch binnen Tagen zweimal auf nun 98 Dollar, finanziert durch Sponsoren wie DoorDash und DraftKings. Ein ähnlicher Disput zeichnet sich in Vancouver ab, wo Premierminister David Eby die Kosten für die Spiele im B.C. Place erst Ende des Monats nennen will – trotz nachgewiesener Investitionen von 196 Millionen Dollar in die Stadionrenovierung. Aus kanadischer Sicht steht die Erwartung einer milliardenschweren Wirtschaftsbelebung gegen das Misstrauen der Steuerzahler.
Die Finanzierungsprobleme beschränken sich nicht auf die Kommunen. Berichten zufolge verzögert FIFA die Auszahlung von Verkaufserlösen an Fans, die ihre Tickets auf der offiziellen Weiterverkaufsplattform gehandelt haben; teils warten Inhaber auf mehrere tausend Dollar. In Kansas City, wo das Arrowhead-Stadion kurzerhand in „Kansas City Stadium“ umbenannt wurde, ließen Arbeiter 3500 Sitzplätze entfernen, um ein reglementskonformes Spielfeld zu schaffen. Aus Sicht mexikanischer Beobachter verschärft sich der finanzielle Druck durch die Ausweitung des Turniers auf 48 Teams mit 104 Spielen: Eine Studie der Creditas zeigt, dass 56 Prozent der brasilianischen Fans während des Turniers Sportwetten abschließen wollen, bei jungen Erwachsenen sogar 69 Prozent, was die private Verschuldung weiter treiben könnte. Washingtons langjährige Kritik an staatlich subventionierten Golf-Airlines, etwa Qatar Airways, das sich nach seiner Sponsorenverlängerung mit FIFA auf US-Boden wiederfindet, fügt eine handelspolitische Note hinzu.
Für die deutschsprachigen Länder, deren Nationalmannschaften ebenfalls um den Titel kämpfen, zeichnen sich Lehren ab. Die Schweiz und Österreich verfolgen aufmerksam, wie das nordamerikanische Modell der Privatisierung von Kosten und Risiken kollidiert mit FIFAs Anspruch auf maximale Kontrolle. Die Diskussion um die Finanzierung öffentlicher Verkehrsmittel zu den Stadien dürfte auch in Frankfurt oder Wien nachhallen, sollte eine gemeinsame Bewerbung für künftige Turniere ernsthaft erwogen werden. Letztlich bleibt die Frage, ob das Versprechen eines globalen Sportfestes die lokalen Belastungen aufwiegen kann – oder ob die WM 2026 als Lehrstück über die Grenzen der Eventökonomie in die Geschichte eingehen wird.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.80 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.70 | aligned |
| Russische & GUS-Presse | −0.20 | neutral |
Wenige Wochen vor dem Anpfiff entpuppt sich die Weltmeisterschaft als Karneval der explodierenden Kosten und Kontroversen. Die Organisatoren stehen wegen ausufernder Budgets und undurchsichtiger Entscheidungen in der Kritik, während lokale Proteste zunehmen.
Trotz globaler Spannungen bleibt die Weltmeisterschaft ein Leuchtfeuer der Einheit und Hoffnung. Schlüsselfiguren auf dem Spielfeld betonen, wie der Sport Menschen zusammenbringen und die politischen Spaltungen der Gegenwart überwinden kann.
Das Ereignis wird vor allem als gewaltige kommerzielle Maschinerie gesehen, mit horrenden Kosten und schwindelerregenden Einnahmen. Analysten wägen kühl Bilanzen und Verträge ab und tun die Kontroversen als Hintergrundrauschen ab.
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