
Zerfall der Waffenruhe: Israel greift Bekaa an, Libanons Präsident attackiert Hisbollah
Die israelische Luftwaffe hat ihre Angriffe am Montag erstmals seit Inkrafttreten der von Washington vermittelten Waffenruhe auf die östliche Bekaa-Ebene ausgedehnt. Schon in den Tagen zuvor hatte sie Ziele im Süden des Libanon bombardiert, während Bodentruppen weiterhin einen Grenzstreifen besetzt halten und dort Gebäude zerstören, die sie der Hisbollah zurechnen. Die Raketen- und Drohnenangriffe der pro-iranischen Miliz auf israelische Stellungen und Ortschaften reißen indes nicht ab – ein tödlicher Drohnentreffer auf Soldaten der israelischen Armee am Vortag verdeutlichte die fragile Sicherheitslage. Die mehrfach verlängerte Feuerpause scheint nur noch eine diplomatische Hülle zu sein, während beide Seiten längst zu einer Logik der begrenzten Eskalation zurückgekehrt sind.
Parallel zum militärischen Geschehen spitzt sich ein innenpolitischer Konflikt in Beirut dramatisch zu, der die Machtverhältnisse im Zedernstaat grundlegend verschieben könnte. Staatspräsident Joseph Aoun erklärte in scharfer Form, das Ziel direkter Verhandlungen mit Israel sei die endgültige Beendigung des Kriegszustands nach dem Vorbild des Waffenstillstandsabkommens von 1949. Wer das Land hingegen ohne Konsens und nationale Autorität in einen Krieg gezogen habe, begehe die eigentliche „Treulosigkeit“ – ein kaum verhüllter Angriff auf die Hisbollah, deren Generalsekretär Naim Qassem die bilateralen Botschaftergespräche in Washington zuvor als „Sünde“ verurteilt hatte. Die Miliz werde die Ergebnisse solcher Verhandlungen „als nicht existent“ betrachten und ihre Waffen keinesfalls niederlegen, ließ Qassem verlauten. Gegenüber dieser unverhohlenen Ablehnung des staatlichen Friedenskurses nimmt die libanesische Regierung nun erstmals offen Partei für das Verhandlungsmonopol eigener Institutionen.
Aus Washingtoner Sicht sind die direkten Kontakte zwischen israelischen und libanesischen Emissären der Kern einer neuen Nahost-Architektur, die ohne ständige militärische Abnutzungskriege auskommen soll. Präsident Donald Trump hatte nach der ersten Gesprächsrunde eine zehntägige, später eine dreiwöchige Waffenruhe verkündet, die bislang jedoch kaum mehr als eine Abfolge täglicher Verstöße hervorbrachte. Israelische Regierungsbeamte begründen die fortgesetzten Schläge mit der vom iranischen Regime alimentierten Raketengefahr und warnen vor katastrophalen Konsequenzen, sollte Beirut die Entwaffnung der Hisbollah nicht durchsetzen. Gleichzeitig bleibt der Druck auf Teheran hoch: Die US-Marine fing an der strategischen Wasserstraße von Hormus erneut einen iranischen Öltanker ab, während fast einhundert Staaten – darunter wichtige europäische Partner – die ungehinderte Schifffahrt einforderten.
Für Beobachter in Berlin, Wien und Bern verknüpfen sich mit der erneuten Destabilisierung mehrere Risikolinien. Deutsche und österreichische Soldaten der UNIFIL-Mission sehen sich in einer zunehmend unkalkulierbaren Lage; schweizerische Diplomaten warnen vor einem regionalen Flächenbrand, der neue Fluchtbewegungen auslösen und die ohnehin angespannten Energiemärkte belasten würde. Der Tod eines französischen Unteroffiziers im Libanon erinnert überdies daran, dass europäische Präsenz in diesem Umfeld unmittelbar verwundbar ist. Während die Meldungen über die verheerenden Folgen des Luftkriegs gegen Iran – die zuletzt auf 155 Todesopfer beim Bombardement einer Schule in Minab beziffert wurden – die humanitäre Dimension der umfassenderen Konfrontation offenlegen, wächst in den Hauptstädten der DACH-Staaten die Sorge vor einem Abrutschen in einen Krieg, dessen Stoßrichtung längst nicht mehr auf einzelne Fronten begrenzt ist. Der schwelende Konflikt zwischen dem libanesischen Staat und der Hisbollah, die fortgesetzten israelischen Operationen und der ungebrochene Druck auf Iran bilden ein explosives Gemisch, dessen Entladung die ohnehin brüchige Waffenruhe endgültig zerreißen dürfte – mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Region.
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