
Zwanzigster politischer Gefangener stirbt in Venezuela – Regimekritiker erhängt in Zelle aufgefunden
Ein weiterer Oppositioneller stirbt unter ungeklärten Umständen in venezolanischer Haft. Die NGO Foro Penal zählt bereits zwanzig Todesfälle seit 2014.
Die Serie ungeklärter Todesfälle in venezolanischen Gefängnissen reißt nicht ab. Am Wochenende wurde der Leichnam des ehemaligen Gemeinderats José Manuel García Sabino in einer Zelle der Polizei von Anaco, rund 400 Kilometer östlich von Caracas, aufgefunden. Der 31-jährige Ingenieur, der dem Chavismus nahestand, war im März festgenommen worden, nachdem er Korruptionsvorwürfe gegen die örtliche Bürgermeisterei erhoben hatte.
Die Menschenrechtsorganisation Foro Penal bestätigte am Sonntag, dass es sich um den zwanzigsten politischen Gefangenen handelt, der seit 2014 unter staatlicher Obhut ums Leben kam. Die genauen Todesumstände sind unklar; nach Presseberichten soll García Sabino erhängt worden sein. Die venezolanische Justizbehörde hat zwar eine Untersuchung angekündigt, doch bleiben die Ergebnisse abzuwarten – ein Muster, das aus Caracas bekannt ist: Offizielle Verlautbarungen folgen oft erst nach monatelanger Verzögerung, wie der Fall des im Januar inhaftierten Víctor Hugo Quero Navas zeigt, dessen Tod erst im Mai bestätigt wurde.
Aus Washingtoner Sicht reihen sich diese Vorfälle in eine Kette von Menschenrechtsverletzungen ein, die den jahrelangen Sanktionskurs gegen das Maduro-Regime weiter befeuern. In Brüssel und Berlin wächst der Druck, die EU-Sanktionen zu verschärfen, während österreichische und Schweizer Diplomaten in Genf auf eine vertiefte Untersuchung durch den UN-Menschenrechtsrat dringen. Beobachter in Peking, die traditionell enge Beziehungen zu Caracas pflegen, mahnen zur Zurückhaltung und fordern eine Entpolitisierung der Justiz – eine Haltung, die in lateinamerikanischen Hauptstädten zunehmend auf Skepsis stößt.
Der Tod von García Sabino, einem regimekritischen Chavisten, offenbart die tiefe Spaltung innerhalb der venezolanischen Machtelite. Ehemalige Weggefährten, die die revolutionäre Korruption anprangern, werden systematisch verfolgt. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Frage, ob die venezolanische Justiz jemals unabhängig ermitteln kann – oder ob die Tode in den Gefängnissen Teil einer Strategie sind, jede interne Opposition zu ersticken.
In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob Maduro Zugeständnisse macht oder ob sich der Kreislauf aus Denunziation, Haft und Tod fortsetzt.
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