
Abschied eines Radiomenschen: James Valentine mit 64 Jahren gestorben
Er war die Stimme des Nachmittags für eine ganze Generation in Sydney, und nun ist sie für immer verstummt. James Valentine, jahrzehntelanger Moderator der Sendung „Afternoons“ auf ABC Radio 702, ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Der Sender und seine Familie bestätigten, dass Valentine nach zweijährigem Kampf gegen Speiseröhrenkrebs zu Hause im Kreis seiner Angehörigen friedlich eingeschlafen sei – unter Inanspruchnahme des in New South Wales seit 2023 legalen Sterbehilfeverfahrens, dem Voluntary Assisted Dying.
Er selbst habe gewünscht, diesen Umstand öffentlich zu machen, um das Gespräch über das selbstbestimmte Lebensende zu fördern, wie es aus seinem Umfeld hieß. Für das australische Publikum, das ihn über 25 Jahre als täglichen Begleiter erlebte, ist der Verlust kaum zu fassen. Valentine verstand es wie kaum ein anderer, den Alltag mit Humor und einer Prise Absurdität zu durchleuchten, ohne jemals respektlos zu wirken. „Seine Aufmerksamkeit war sein Geschenk an dich“, schrieb sein langjähriger Kollege Jonathan Green in einem Nachruf und traf damit den Kern einer Karriere, die weit über das Radio hinausreichte.
Denn Valentine war auch ein gefeierter Saxophonist, der in den 1980er Jahren mit der Band Models tourte und später mit Künstlern wie Kate Ceberano zusammenarbeitete. Seine Doppelbegabung als Musiker und Moderator prägte seinen Stil: Er inszenierte das Radio wie ein lebendiges Gespräch, bei dem der Hörer nie das Gefühl hatte, nur eine anonyme Masse zu sein. Aus der Perspektive der ABC-Führung, die Intendant Hugh Marks in einer Stellungnahme vertrat, war Valentine „Teil des Rhythmus des täglichen Lebens für Generationen unseres Sydneyer Publikums“.
Doch die Tragweite seines Wirkens reicht über die Metropole hinaus. In einer Zeit, in der öffentlich-rechtliche Sender weltweit unter Druck stehen, erinnert Valentines Laufbahn an die Kraft eines nahbaren, nicht-kommerziellen Radioprogramms, das den Alltag begleitet, ohne ihn zu beschallen. Dass er nach der Krebsdiagnose im März 2024 zunächst wieder ans Mikrofon zurückkehrte, um dann im Juni wegen neuer Tumore endgültig Abschied zu nehmen, zeugt von einer Haltung, die sein Leben prägte: die Entscheidung, selbst über das eigene Ende zu bestimmen. „James tat es auf seine Art, die bis zum Schluss anhielt“, teilte die Familie mit, und es klingt wie ein musikalisches Finale – ohne falsche Töne.
Für Beobachter in Europa, wo die Debatte um Sterbehilfe in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach wie vor hoch umstritten ist, mag dieser offene Umgang mit dem assistierten Suizid befremdlich oder vorbildhaft wirken. Doch Valentines Geschichte ist vor allem eine über die Würde der eigenen Stimme – im Äther, auf der Bühne und im Angesicht des Unausweichlichen. Sein Vermächtnis für die Radiowelt: dass die beste Sendung die ist, in der der Moderator sich selbst nicht wichtiger nimmt als das Gespräch mit dem Hörer.
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