
Adidas‘ Super-Schuh und der Marathon unter zwei Stunden – ein Triumph der Technik
Der Kenianer Sabastian Sawe hat am Sonntag beim London-Marathon die historische Marke von zwei Stunden offiziell unterboten – eine Leistung, die noch vor wenigen Jahren als unvorstellbar galt. Mit einer Zeit von 1:59:30 Minuten löste er den verstorbenen Kelvin Kiptum als Weltrekordhalter ab und schrieb zugleich Sportgeschichte. Doch im Fokus steht nicht allein die menschliche Willenskraft; aus Münchner und Herzogenauracher Sicht rückt vielmehr das Material in den Vordergrund: Sawe, der Zweitplatzierte Yomif Kejelcha aus Äthiopien und die Frauen-Weltrekordlerin Tigst Assefa liefen alle auf dem neu entwickelten Adidas Adizero Adios Pro Evo 3.
Das Modell, das erst zwei Tage vor dem Rennen vorgestellt wurde, wiegt kaum etwas und gilt als Katalysator für die Leistungsexplosion im Langstreckenlauf. Die deutsche Firma hat damit nicht nur einen sportlichen, sondern auch einen wirtschaftlichen Erfolg erzielt – der Wettlauf um die „Superschuhe“ wird für die Branche immer entscheidender. Beobachter in Nairobi und Addis Abeba sehen darin eine neue Ära, in der Trainingsmethoden und Biomechanik noch enger mit der Materialentwicklung verwoben sind.
Die Kritik an der Technologisierung des Sports bleibt jedoch präsent: Wie viel Anteil am Erfolg hat der Mensch, wie viel das Produkt? Während die Elite in London auf Rekordjagd ging, sorgte ein Läufer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit einer anderen Premiere für Aufsehen. Der in Dubai lebende Sedique Ahamed absolvierte die 42,195 Kilometer in einer traditionellen weißen Kandura und stellte damit einen Guinness-Weltrekord auf.
Aus Abu Dhabi berichtete er, dass das Gewand nach 15 Kilometern zur Qual wurde – jeder Schritt erforderte Konzentration. Die Herausforderung zeigt, dass selbst unter extremen Bedingungen der Geist über das Material siegen kann. In der Wüstenregion der VAE brodelt derweil die sommerliche Hitze, und Mediziner warnen vor gefährlichen Kühlmythen.
Ärzte in Dubai und Schardscha beobachten, dass Eisgetränke oder kalte Duschen den Körper trügen – der Schockeffekt schade mehr, als er nütze. Ein Fall von schwerem Hitzschlag bei einer Wanderung auf dem „Stairway to Heaven“-Pfad in Ras Al Khaimah wurde nur durch die Geistesgegenwart eines erfahrenen Guides verhindert, der die Frau über drei Stunden hinweg auf dem Rücken in Sicherheit brachte. Solche Vorfälle mahnen zur Vorsicht, während in den Golfstaaten immer mehr Menschen Ausdauersport betreiben.
Die Zukunft des Marathons wird daher nicht nur in Zehntelsekunden gemessen, sondern auch in der Fähigkeit, extreme Umwelten zu meistern. Der Triumph von Sawe und der Rucksack-Fund aus der Wüste weisen in die gleiche Richtung: Die Grenzen des Möglichen verschieben sich – mit oder ohne Super-Schuh.
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