
Apple verabschiedet Tim Cook mit einem Rekordquartal – und einem zuversichtlichen Nachfolger
Für seinen letzten Auftritt als Vorstandsvorsitzender hat Tim Cook der Börse noch einmal ein Ausrufezeichen geschenkt. Apple meldete für das Ende März abgeschlossene zweite Geschäftsquartal einen Nettogewinn von 29,6 Milliarden Dollar – ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz kletterte um 17 Prozent auf 111,2 Milliarden Dollar, und der verwässerte Gewinn je Aktie von 2,01 Dollar übertraf die Konsensschätzung der Analysten deutlich. Getragen wurde das Ergebnis von einer Welle der Nachfrage nach dem iPhone 17, das Cook als „die erfolgreichste Markteinführung in der Geschichte des Unternehmens“ bezeichnete, auch wenn der iPhone-Umsatz mit 56,99 Milliarden Dollar knapp unter den Erwartungen blieb. Es sei der beste März-Quartalsbericht, den Apple je vorgelegt habe, so der scheidende Konzernlenker.
Den geografischen Spagat meisterte der Konzern mit besonderem Erfolg in China. Dort stiegen die Erlöse um 28 Prozent und beschleunigten sich rascher als in jeder anderen Region – eine Entwicklung, die Beobachter in Peking als Beleg dafür werten, dass die Attraktivität des kalifornischen Ökosystems trotz anhaltender geopolitischer Spannungen ungebrochen ist. Zugleich rückte Indien stärker in den Fokus: Cook bekannte, er sei „überglücklich“ über das Potenzial des Subkontinents, des zweitgrößten Smartphone-Marktes der Welt, und sprach von einer „riesigen Chance“. Aus Washingtoner Sicht signalisiert diese Akzentverschiebung eine vorsichtige Diversifizierung der Liefer- und Absatzmärkte jenseits des chinesischen Gravitationszentrums.
In den deutschsprachigen Ländern lieferte Apple zwar keine gesonderten Kennziffern, doch profitieren Deutschland, Österreich und die Schweiz als reife Märkte mit hoher Zahlungsbereitschaft vom robusten Service-Geschäft und dem anhaltenden iPhone-Zyklus. Dienste wie App Store, Musik- und Bezahlangebote schaffen klebrige Umsätze, die konjunkturelle Dellen abfedern. Allerdings warnte Apple vor anhaltenden Lieferengpässen bei Speicherchips. Diese könnten in den kommenden Monaten auch die Verfügbarkeit neuer Geräte im hochpreisigen D-A-CH-Raum spürbar einschränken, sollten sich die Zulieferketten nicht entspannen.
Die Zahlen fungierten zugleich als Bühne für einen geordneten Führungswechsel. John Ternus, derzeit noch Hardware-Vizepräsident und von September an Vorstandsvorsitzender, sagte bei seiner ersten öffentlichen Wortmeldung schlicht: „Ich könnte nicht optimistischer sein, was vor uns liegt.“ Konkrete Strategielinien blieb er schuldig, verwies aber auf künftige Produkte, zu denen er noch keine Details verraten wolle. Cook gab dem designierten Nachfolger einen Rat mit, der an die Worte erinnert, die Steve Jobs ihm einst hinterlassen hatte: Die wichtigste Entscheidung sei, wofür man seine Zeit einsetze – für den größtmöglichen Nutzen von Unternehmen und Nutzern, ohne den Polarstern aus den Augen zu verlieren.
Der Übergang vollzieht sich in einem Umfeld, das der nächsten Führung wenig Ruhe lassen wird. Apple stellte für das laufende dritte Quartal ein Umsatzwachstum von 14 bis 17 Prozent in Aussicht, weit mehr als die Marktschätzungen von gut 9 Prozent, und kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm von 100 Milliarden Dollar an. Die Aktie legte nachbörslich um fast 4 Prozent zu. Dennoch lauern unter der Oberfläche Risiken: die stockende Versorgung mit Speicherchips, wachsende Konkurrenz durch KI-gestützte Dienste und die hartnäckigen Handelskonflikte, die Apples internationales Gleichgewicht jederzeit stören können. John Ternus übernimmt ein Unternehmen in Hochform. Die entscheidende Frage ist, ob er es auf dieser Höhe eigenständig weiterentwickeln kann, wenn der väterliche Schatten des Vorgängers weicht.
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