
Energiekrise zwingt ASEAN zur Einigkeit: Gipfel in Cebu fordert Verhandlungslösung zwischen Iran und USA
Die ASEAN-Staaten fordern bei ihrem Gipfel eine diplomatische Lösung des Iran-Konflikts und die Wiederöffnung der Straße von Hormuz. Die Energiekrise dominiert die Agenda und stärkt Chinas Einfluss.
Im philippinischen Cebu haben die Staats- und Regierungschefs der ASEAN die Dringlichkeit einer gemeinsamen Antwort auf die Folgen des Nahostkriegs unterstrichen. Der philippinische Präsident Ferdinand Marcos Jr. rief zu Einigkeit und Entschlossenheit in einer Zeit „tiefgreifender Unsicherheit“ auf. Doch hinter den beschwörenden Worten steht ein handfester Interessendruck: Der Konflikt zwischen Iran und den USA sowie die Schließung der Straße von Hormuz haben die Energieversorgung Südostasiens empfindlich getroffen. Aus Manila verlautete, die Region brauche dringend eine Deeskalation – und einen verhandelten Kompromiss zwischen Washington und Teheran.
In den Hauptstädten der ASEAN wächst die Sorge vor einem anhaltenden Ölpreisschock, der importabhängige Volkswirtschaften wie Thailand, Vietnam und die Philippinen besonders hart trifft. Einem Reuters-Bericht zufolge fordern die Gipfelteilnehmer nicht nur die Wiederöffnung der lebenswichtigen Meerenge, sondern auch eine koordinierte Strategie für Energie- und Ernährungssicherheit. Dazu soll ein gemeinsamer Treibstoffpakt beschleunigt werden, dessen Ratifizierung in mehreren Mitgliedstaaten noch aussteht. Die ohnehin schwelenden Konflikte im Südchinesischen Meer und in Myanmar treten angesichts der akuten Versorgungskrise in den Hintergrund – einzig die Annäherung zwischen Thailand und Kambodscha gilt als Lichtblick.
Aus Pekinger Sicht ergibt sich in dieser Lage ein strategischer Vorteil. China, das nach dem US-amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran zunächst seine Ölproduktexporte stoppte, hat die Gunst der Stunde erkannt. Als weltgrößter Rohölimporteur mit massiven strategischen Reserven und führender Position bei erneuerbaren Energien kann Peking seinen Nachbarn Treibstoff und Technologie anbieten – und so seinen Einfluss in der Region ausbauen. Beobachter in den südostasiatischen Hauptstädten sehen darin eine gefährliche Abhängigkeit: Je stärker die ASEAN-Staaten auf chinesische Hilfe angewiesen sind, desto leiser werden ihre Stimmen zu Fragen der Souveränität im Südchinesischen Meer.
Der Gipfel in Cebu zeigt eine Region im Spagat: Einerseits wollen die ASEAN-Staaten ihre Handlungsfähigkeit demonstrieren, andererseits fehlen die Mittel, um den Energiepreisschock allein zu bewältigen. Aus Washingtoner Perspektive ist eine baldige Einigung mit Teheran nicht in Sicht, weshalb die asiatischen Partner noch lange mit den Folgen rechnen müssen. Die Zukunft der ASEAN als geeinter Block wird sich daran entscheiden, ob es gelingt, die innere Solidarität zu wahren, ohne sich zwischen den Großmächten USA und China zu zerreißen. Für die nächsten Monate ist mit weiteren regionalen Initiativen zur Energiekooperation zu rechnen – ob sie jedoch über Symbolpolitik hinausgehen, bleibt fraglich.
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