
Bogotá feiert 488. Geburtstag mit Fahrradkino, Sinfonik und Picknick in der Höhe
Zum Stadtjubiläum verbinden sich in der kolumbianischen Hauptstadt öffentlicher Raum, kulinarische Tradition und sinfonische Klänge mit den Rhythmen des Pazifiks.
Am Donnerstagmittag setzen sich die ersten Gruppen in Bewegung. Vom Parque Fontanar im Norden, vom Parque Timiza im Süden, von der Transmilenio-Station Banderas – überall in Bogotá schwingen sich an diesem 6. August Hunderte auf ihre Räder. Geführt von der städtischen Fahrradschule des IDRD, rollen sie durch die Straßen, vorbei an den Vierteln La Gaitana, Villa Luz, Quiroga und San Carlos, bis sie sich zwischen halb zwei und Viertel vor zwei im Parque Nacional treffen. Dort, unter freiem Himmel, wird ein Film projiziert – Kino für alle, die gekommen sind, um den 488. Geburtstag ihrer Stadt mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Sport, Kultur und nachhaltiger Mobilität zu begehen. Nach der Vorführung geht die Fahrt weiter zur Plaza de Bolívar, wo das offizielle Gruppenfoto den Tag beschließen soll.
Die „Bici Cine“ ist nur ein Baustein eines Programms, das Bogotá als „kreative, offene, vielfältige und in Bewegung befindliche Stadt“ zeigen will – so beschreibt es David García, Generaldirektor der Filarmónica de Bogotá. Deren Orchester bringt am 8. und 9. August unter der Leitung von Elizabeth Vergara Gallego sinfonische Klänge mit den Rhythmen der kolumbianischen Pazifikküste zusammen: Gemeinsam mit der Gruppe Herencia de Timbiquí entsteht im Teatro Mayor Julio Mario Santo Domingo ein Dialog, der die kulturelle Vielfalt des Landes und die aufnehmende Kraft der Metropole feiert. Schon am 5. August hatten das Jugendorchester und der Jugendchor der Filarmónica im Estadio Metropolitano de Techo die Hymnen Kolumbiens und Bogotás angestimmt – Musik und Fußball, zwei Sprachen der Zugehörigkeit, trafen hier aufeinander.
Auch die Gastronomie trägt das Ihre zum Fest bei. Am 7. August, dem eigentlichen Feiertag, lädt das Restaurant „La Ventana“ im Hilton Bogotá zu einem Brunch, der traditionelle Aromen der Hauptstadt neu interpretiert. Zu einem Buffet mit warmen und kalten Stationen sowie Desserts gibt es unbegrenzt Bier – passend zum Internationalen Tag des Bieres –, Mimosen und Heißgetränke. Wer in einer Gruppe von drei Erwachsenen erscheint und einen Großvater mitbringt, für den ist der Großvater kostenlos, wie Chefkoch Adrián Gerboles erklärt. In luftiger Höhe wiederum, auf dem Helipuerto der Torre Colpatria in über 190 Metern, ist für den 15. August ein „Picknick in den Höhen“ angesetzt, eingerahmt von Yoga-, Zumba- und Functional-Training-Stunden, die den ganzen Monat über angeboten werden. Dass das Konzept ankommt, zeigte bereits die Coffee Party am 1. August, zu der nach Angaben der Organisation rund 800 Besucher kamen.
Zeitgleich öffnet der Botanische Garten José Celestino Mutis vom 7. bis 9. August seine Pforten für das Festival Estéreo Botánico. Unter dem Motto „Vibra mit Empfindungen, die verbinden“ erwarten die Gäste neben Konzerten – darunter die Filarmónica de Bogotá, Vallenato-Gruppen und Rockbands – auch Tanzdarbietungen, Meditations- und Yogaeinheiten sowie Vorträge über Führung, gesunde Ernährung und Umweltschutz. Der Eintritt zum Garten kostet für Einheimische 16.000 Pesos, der Zugang zum Tropicario ist darin nicht enthalten. Hunde, Alkohol und psychoaktive Substanzen sind auf dem Gelände nicht gestattet; dafür werden Rollstühle bereitgehalten.
So wird der Geburtstag der Acht-Millionen-Stadt zu einem vielstimmigen Selbstporträt, das die Bewohner aus ihren Vierteln lockt und Besucher einlädt, die Kapitale aus immer neuen Blickwinkeln zu entdecken. Am Ende des Bici-Cine-Tages, gegen fünf Uhr nachmittags, werden sich die Radfahrer auf der Plaza de Bolívar zu jenem Bild versammeln, das die offizielle Erinnerung an diesen Tag festhält – ein flüchtiges, aber gemeinschaftlich errungenes Standbild einer Stadt, die sich feiernd in Bewegung setzt.
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