
Buckelwal Timmy in der Nordsee freigelassen – während in Sydney ein toter Pottwal die Strände lahmlegt
Es ist vollbracht: Der Buckelwal Timmy, der tagelang in einem Lastkahn durch die dänischen Gewässer geschleppt wurde, schwimmt seit Freitagmorgen wieder in der Nordsee. Gegen neun Uhr verließ das Tier eigenständig die Transportbarge, wie Mitglieder der privaten Rettungsinitiative bestätigten. Der Konvoi befand sich zu diesem Zeitpunkt rund siebzig Kilometer nordwestlich von Skagen im Skagerrak – weit genug, um dem Wal eine Rückkehr in den offenen Ozean zu ermöglichen.
Die Freilassung war erst nach einer mehrtägigen Odyssee möglich, die den ursprünglichen Plan mehrfach durchkreuzte. Vor der Insel Poel in der Ostsee war Timmy gestrandet, woraufhin ihn ein Helferteam mit Feuerwehrschläuchen in eine geflutete Barge lenkte. Doch die Reise gen Norden gestaltete sich schwierig.
Aus dänischer Sicht wurde vor allem der starke Wellengang zum Problem: Der Lastkahn mit dem Wal musste vor dem nördlichsten Punkt Dänemarks abdrehen und warten, bis die Wetterbedingungen eine Weiterfahrt erlaubten. Drohnenaufnahmen zeigten, wie Timmy mehrfach zügig zum Ausgang der Barge schwamm und wieder zurückkehrte – ein Zeichen von Unruhe, das die Rettungsmannschaft in Atem hielt. Während Timmy nun in der Nordsee verschwindet, ist aus australischer Perspektive eine ganz andere Walsituation zu beobachten: Vor der Küste Sydneys sorgt der Kadaver eines 25 Tonnen schweren Pottwals für Aufregung.
Der tote Wal war am Era Beach im Royal National Park angespült worden und lockt seither nicht nur Schaulustige an – die Verwesung verbreitet einen süßlich-fauligen Geruch, und im Wasser treiben weiße Fettstücke. Vor allem aber zieht der Kadaver Haie an, weshalb die Strände der Umgebung gesperrt wurden. Australische Behörden haben den Kadaver inzwischen mit einem Schlepper nach Bellambi gezogen und mit einem Bagger an Land gehoben; er soll auf einer Deponie entsorgt werden.
So unterschiedlich die beiden Fälle auch sind – sie zeigen, wie eng die öffentliche Aufmerksamkeit mit dem Schicksal der Meeressäuger verknüpft ist. Aus Sicht von Walexperten, die das Unternehmen von Anfang an kritisierten, bleibt bei Timmy indes die Frage, ob der ohnehin geschwächte Buckelwal die Rückkehr in die Wildnis überleben wird. Drei Szenarien zeichnen sich ab: Er könnte sich erholen, erneut stranden oder – wie von manchen erhofft – bald zu seinen Artgenossen finden.
Das Rettungsteam, das auch von der deutschen Privatinitiative getragen wurde, hofft auf das Beste. Doch der Fall zeigt, dass menschlicher Aktionismus allein nicht über das Gelingen einer Auswilderung entscheidet; die Natur hat das letzte Wort.
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