
Der Teufel trägt Prada 2: Ein Milliarden-Comeback mit nostalgischer Wucht
Mit über zehn Millionen Dollar aus den Previews allein und Prognosen von bis zu einhundert Millionen Dollar am Eröffnungswochenende übertrifft „Der Teufel trägt Prada 2“ alle Erwartungen – und das Original von 2006 um ein Vielfaches. Der Film, der zwanzig Jahre nach der Handlung des ersten Teils spielt, wird von Analysten als einer der erfolgreichsten Legacy-Sequels der jüngeren Zeit gefeiert. Aus Hollywooder Sicht bestätigt sich damit ein Trend: Nostalgie als sicherer Wert in einer unsicheren Kinolandschaft, ähnlich wie zuvor bei „Top Gun: Maverick“ oder „The Force Awakens“. Doch der Erfolg hat eine ironische Note, denn die Handlung selbst nimmt genau jene kapitalistische Gier aufs Korn, die das Sequel erst ermöglicht hat.
Inhaltlich zeigt der Film, wie sehr sich die Arbeitswelt seit 2006 gewandelt hat. Miranda Priestlys unerbittliche Härte, einst als Ausdruck von Kompetenz und Stil gefeiert, wirkt nun beinahe anachronistisch. Die Figuren – Andy Sachs, Emily Charlton und der legendäre Stanley Tucci – navigieren durch eine Branche, die zwischen kreativem Anspruch und renditegetriebenem Konzernhandeln zerrieben wird. Aus europäischer Perspektive, namentlich der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, ist hervorzuheben, dass Blunt und Tucci zeitgleich mit dem Filmstart ihre Sterne auf dem Walk of Fame enthüllten – begleitet von Lobreden Meryl Streeps und Matt Damons, die an die hoffnungsvollen Anfänge junger Künstler in Hollywood erinnerten. Dieses öffentliche Ritual unterstreicht den Status der Darsteller als Ikonen einer ganzen Generation.
Bemerkenswert ist auch der Erfolg in nicht-westlichen Märkten. Der indische Regisseur Karan Johar nannte den Film auf Instagram „nostalgisch und zugleich ein Spiegel unserer Zeit“ – ein Hinweis darauf, dass die Themen Macht, Moral und Selbstverwirklichung global Resonanz finden. Gleichzeitig bekannte Meryl Streep in Interviews, sie habe die Rolle ursprünglich abgelehnt, um eine Gehaltsverdopplung zu erzwingen, und sei überrascht gewesen, dass das Studio sofort zustimmte. Diese Episode, eine Mischung aus Kalkül und Glück, spiegelt die ambivalente Haltung wider, die der Film gegenüber der eigenen Industrie einnimmt: Er ist Kapitalismuskritik, die vom Kapitalismus lebt.
Für die deutschsprachigen Länder ist der Film auch deshalb relevant, weil er den Wandel von Führungskultur und den Generationenkonflikt am Arbeitsplatz verhandelt – Themen, die in deutschen, österreichischen und Schweizer Unternehmen seit Jahren debattiert werden. Die Frage, ob man nur durch Härte an die Spitze gelangt oder ob Empathie und Fairness neue Erfolgsmodelle sind, bekommt mit diesem Sequel eine popkulturelle Bühne. Ob der Hype um Miranda Priestly langfristig die Diskussion über toxische Arbeitsumgebungen befeuert oder nur als glamouröse Nostalgie verpufft, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Kinokassen sprechen vorerst eine eindeutige Sprache.
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