
Chelsea entlässt Rosenior: Hundert Tage Chaos und ein Negativrekord aus dem Jahr 1912
Die Nachricht traf am Mittwochabend ein wie ein Paukenschlag, der in der Londoner Fankurve noch lange nachhallen wird: Der FC Chelsea hat seinen Cheftrainer Liam Rosenior nach nur knapp vier Monaten im Amt entlassen. Der Klub vollzog damit die Konsequenz aus einer sportlichen Talfahrt, die ihresgleichen sucht. Fünf aufeinanderfolgende Niederlagen in der Premier League ohne einen einzigen Treffer – eine solche Negativserie hatte es an der Stamford Bridge zuletzt im Jahr 1912 gegeben. Rosenior, im Januar mit einem Vertrag bis 2032 ausgestattet, hinterlässt ein Team, das nach sieben Niederlagen aus den letzten acht Pflichtspielen nur noch auf Platz sieben der Tabelle steht und die Champions-League-Qualifikation um sieben Punkte verpasst hat.
Aus der Perspektive der Klubführung um den US-amerikanischen Eigentümer BlueCo erscheint die Entscheidung als Versuch, ein Feuer mit immer neuen Brennstoffen zu löschen. Die Bosse um Behdad Eghbali hatten Rosenior noch vor wenigen Wochen das Vertrauen ausgesprochen, doch die Demütigung beim 0:3 in Brighton, bei der der Trainer seine Spieler öffentlich als „willenlos und feige“ geißelte, zwang sie zum Handeln. Beobachter in London sehen darin jedoch weniger eine Personalentscheidung denn ein Symptom der strukturellen Dysfunktion: Der Klub hat in dieser Saison bereits drei Trainer verschlissen, und der Interimstrainer Calum McFarlane, der schon im Januar für einige Wochen eingesprungen war, soll das Team nun bis Saisonende führen.
In den europäischen Fußballmetropolen, von Mailand bis Madrid, wird die Chelsea-Krise mit Sorge verfolgt – vor allem mit Blick auf den Transfermarkt. Der argentinische Mittelfeldspieler Enzo Fernández, der unter Rosenior zeitweise sanktioniert worden war, gilt als einer der wenigen Lichtblicke in einer ansonsten verunsicherten Mannschaft. Dass der Klub nun über einen Nachfolger für Rosenior nachdenkt und dabei Gerüchten zufolge auch den Namen Cesc Fàbregas ins Spiel bringt, zeigt die Ratlosigkeit der Verantwortlichen. Aus deutscher Sicht ist die Entwicklung insofern bedeutsam, als Chelsea zu den finanzstärksten Konkurrenten der Bundesligaklubs im Europapokal zählt – ein dauerhafter Abstieg des Londoner Traditionsvereins würde die Kräfteverhältnisse in der Champions League verschieben.
Doch der Blick nach vorn bleibt unsicher. Der frühere Chelsea-Kapitän Gary Cahill verglich das Team jüngst mit einem „verwundeten Tier“, das nur noch den FA Cup als letzte Rettung vor Augen habe. Das Halbfinale am Sonntag gegen Leeds United ist daher nicht nur eine sportliche Bewährungsprobe, sondern auch eine existenzielle: Ein Scheitern würde die Saison endgültig besiegeln und die Frage aufwerfen, ob der radikale Umbau unter BlueCo überhaupt eine Zukunft hat. Solange die Eigentümer weiterhin auf den kurzfristigen Erfolg setzen und Trainer wie Spieler als austauschbare Größen behandeln, wird der Kreislauf aus Euphorie und Krise wohl kaum durchbrochen werden.
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