
Das eine Wort, die eine Entscheidung: Vom neuen Kult der Einfachheit
In einer von Ablenkung zersplitterten Zeit propagieren Unternehmer, Autoren und Redner eine radikale Reduktion – und entdecken die Kraft eines einzigen Fokus.
Der Geschäftsführer blätterte nicht in Quartalsberichten, sondern in einer Liste einzelner Wörter. „Freude“, „Absicht“, „Neugier“ – jedes hatte ein Mitarbeiter von Hubbell Realty für sich gewählt, als Kompass für das ganze Jahr. „Das Lesen der jüngsten Antworten ermutigte mich mehr, als es jeder Finanzbericht könnte“, erinnert sich der ehemalige CEO in einem Beitrag für Forbes. Seit Jahren praktiziert das Unternehmen die Übung „One Word“: Jeder im Team sucht sich ein einziges Wort, das Haltung und Entscheidungen prägen soll. Kein Vorgesetzter weist es zu, niemand genehmigt es. Gerade darin liegt, so die Überzeugung des Autors, die Wirksamkeit.
Die Übung ist Teil einer stillen Gegenbewegung gegen die notorische Überforderung durch Vorsatzlisten. Forbes-Autorin Kathy Caprino verweist auf Umfragen, wonach die meisten Menschen ihre Neujahrsvorsätze binnen zwei bis vier Monaten aufgeben. Das Problem sei meist die schiere Menge: Zehn Ziele konkurrieren um dieselbe Aufmerksamkeit, und im Februar gewinnt keines mehr. In dem Buch „One Word That Will Change Your Life“ argumentieren Jon Gordon, Dan Britton und Jimmy Page, dass Unordnung und Komplexität Lähmung erzeugen, während Einfachheit Klarheit schafft. Der frühere Immobilienchef teilt diese Erfahrung und sagt seinem Team oft: Das meiste, was uns begegnet, ist wirklich nicht so schwer. Führungskräfte neigten dazu, zu theoretisieren und zu wenig umzusetzen, stets auf der Jagd nach dem nächsten Rahmenwerk – dabei brauche es nur einen einzigen Punkt der Konzentration.
Diese Sehnsucht nach Verdichtung findet sich auch jenseits des Unternehmensalltags. Der nigerianische Transformationsstratege Sunday Adelaja ruft in der Premium Times dazu auf, ein Blatt Papier zur Hand zu nehmen: Auf die eine Seite alles, was man nicht mehr will, auf die andere das genaue Gegenteil. „Du bist nur eine Entscheidung entfernt von einem anderen Leben“, schreibt er. Nicht Wunschdenken, sondern der klare Entschluss setze die nötige Energie frei. Parallel dazu empfiehlt der kanadische Führungsexperte Robin Sharma die 90/90/1-Regel, wie die libanesische Zeitung An-Nahar berichtet: Die ersten neunzig Minuten des Tages gehören neunzig Tage lang dem einen wichtigsten Ziel, abgeschirmt von jeder Benachrichtigung. Studien zum zirkadianen Rhythmus, etwa „A time to think: Circadian rhythms in human cognition“, belegten, dass exekutive Funktionen und Aufmerksamkeit in der biologischen Hochphase am Morgen ihren Gipfel erreichen. Und eine Untersuchung zu Unterbrechungen am Arbeitsplatz zeige, dass jede Störung den mentalen Kontext zerreiße und wertvolle Zeit für den Wiederaufbau der Konzentration koste.
Die Botschaft hallt in den sozialen Medien wider. Der Motivationsredner Les Brown erinnerte im September 2020 daran, dass jeder Tag 1.440 Minuten zähle – und damit 1.440 Gelegenheiten, eine positive Wirkung zu erzielen. „Verschwende keine einzige Minute mit Negativität“, schrieb er, sondern fülle jeden Augenblick mit Dankbarkeit. Selbst die Schauspielerin Mae West, deren Bonmot „You only live once, but if you do it right, once is enough“ das Lifestyle-Magazin Mint jüngst zitierte, spricht in diese Kerbe: Nicht die Länge des Lebens zähle, sondern dass man es im Einklang mit den eigenen Werten führe. Was all diese Stimmen eint, ist die Abkehr vom Immer-mehr, vom nächsten Karriereschritt, vom nächsten Reiseziel, das auf sozialen Netzwerken verglichen wird.
Am Ende bleibt ein Bild von stiller Beharrlichkeit. Der frühere CEO rät, das eigene Wort unübersehbar zu machen: auf den Schreibtisch, den Spiegel, die erste Seite des Notizbuchs. „Menschen müssen eine Botschaft ein Dutzend Mal hören, bevor sie haftet“, sagt er, „und die Botschaften, die man sich selbst sendet, sind keine Ausnahme.“ So wird aus einem einzelnen Wort, einer einzigen Entscheidung, einer geschützten Morgenstunde ein täglich erneuertes Geländer – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Jede Minute ist eine Gelegenheit, etwas zu bewirken; lebe in Fülle und mit Sinn.
Charismatische Zitate bekannter Redner erzeugen emotionale Resonanz und ein Gefühl der Dringlichkeit ohne Angst.
Konzentrieren Sie sich 90 Tage lang in den ersten 90 Minuten des Tages auf Ihr wichtigstes Ziel; diese Disziplin erzeugt Schwung.
Eine einfache numerische Regel und der autoritative Name von Robin Sharma verleihen einer Gewohnheit Glaubwürdigkeit, die leicht zu übernehmen scheint.
Triff heute eine feste Entscheidung und ändere dein Leben; schreibe auf, was du loswerden und was du dir wünschst.
Ein prophetischer Ton in Kombination mit einer konkreten Handlung (Schreiben auf Papier) macht die Veränderung greifbar und umsetzbar.
Wähle ein Wort, das dein Jahr leitet; konzentriere dich darauf, um deiner Arbeit Richtung und Absicht zu geben.
Persönliche CEO-Erfahrung und Mitarbeiterantworten zeigen Wirksamkeit, schaffen Nähe und Vertrauen.
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