
Diplomatischer Eklat und Penalty-Drama: Iran-Ausweisung überschattet FIFA-Kongress
Die kanadische Regierung hat am Mittwochabend eine diplomatische Verstimmung mit Teheran ausgelöst, als sie drei Spitzenfunktionäre des iranischen Fußballverbandes noch am Flughafen Toronto zurückwies. Aus Ottawa verlautete, die Einreiseverweigerung sei „unbeabsichtigt“ gewesen – doch die Botschaft war unmissverständlich: Präsident Mehdi Taj, ein ehemaliger Kommandeur der als terroristisch eingestuften Revolutionsgarden, ist nach kanadischem Recht unerwünscht. Tasnim, die Nachrichtenagentur der Garden, sprach von einer „Beleidigung“ und ließ die Delegation nach Istanbul zurückfliegen, noch bevor der FIFA-Kongress in Vancouver eröffnet wurde. Aus Teheraner Perspektive ist dies ein gezielter Affront gegen die Islamische Republik, zumal die WM-Endrunde in Kanada, Mexiko und den USA unmittelbar bevorsteht. Die kanadische Außenministerin Anita Anand bestätigte, dass die Aufenthaltsgenehmigung revoziert worden sei – ein Vorgang, der in den kommenden Tagen die Diskussionen beim Welttreffen des Fußballs überschatten dürfte, auch weil der Kongress über die Logistik der iranischen Mannschaft und den Umgang mit dem suspendierten russischen Verband zu befinden hat.
Aus rein sportlicher Perspektive stand das Champions-League-Halbfinale zwischen Atlético Madrid und Arsenal im Rampenlicht – ein taktisch geprägtes 1:1, das ebenfalls von kontroversen Entscheidungen bestimmt wurde. Beide Tore fielen nach Strafstößen: Viktor Gyökeres traf in der 44. Minute für die Gäste, Julian Alvarez glich nach dem Seitenwechsel aus. Der eingewechselte argentinische Stürmer stellte damit einen Rekord auf – er benötigte nur 41 Spiele für 25 Champions-League-Tore, schneller als Lionel Messi. Doch der Abend hinterließ einen schalen Beigeschmack, als Schiedsrichter Danny Makkelie einem dritten Elfmeter für Arsenal nach VAR-Eingriff aberkannte. Aus Londoner Sicht kochte Trainer Mikel Arteta vor Wut: „Wie zur Hölle kann man so etwas zurücknehmen?“, fragte er und sah den Spielfluss verfälscht. Madrider Beobachter hingegen lobten die Leidenschaft ihres Teams und verwiesen auf die mangelnde Durchschlagskraft der Engländer. Der Schweizer Schiedsrichterexperte Urs Meier kritisierte Makkelie scharf: „Warum pfeift so einer?“, während die kolportierte Handspiel-Entscheidung gegen Ben White für zusätzliche Debatten sorgte. Beide Halbfinals waren von umstrittenen Handelfmetern geprägt – ein Muster, das die Diskussion um die Video-Assistenten in Europas Königsklasse neu entfacht.
Der Blick geht nun nach London, wo am kommenden Dienstag das Rückspiel entscheidet. Bei Atlético bangt man unterdessen um Julian Alvarez, der sich im Spiel eine Knöchelverletzung zuzog – gut einen Monat vor dem WM-Turnier in Nordamerika ein Warnsignal aus argentinischer Sicht. Die Serie verheißt Spannung, doch der eigentliche Brennpunkt bleibt der politische Konflikt um den iranischen Verband. Die kanadische Regierung hat mit der konsequenten Anwendung ihrer Anti-Terror-Gesetze eine rote Linie gezogen, die den Spielbetrieb der Weltmeisterschaft unmittelbar berührt. Ob der FIFA-Kongress hier vermitteln kann, ist fraglich – die Fronten in Vancouver sind so verhärtet wie die Abwehrreihen im Metropolitano.
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