
Sudan beschuldigt Äthiopien und die Emirate – Addis Abeba wehrt sich mit Gegenanklagen
Der Sudan macht Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate für Drohnenangriffe auf Khartum verantwortlich. Äthiopien bestreitet dies und wirft dem Sudan Unterstützung für Tigray-Rebellen vor.
Die sudanesische Regierung hat eine formelle Anklage gegen Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate erhoben. Bei einer Pressekonferenz in Khartum erklärten Außenminister Mohieddin Salem, der Kulturminister und der Armeesprecher, ihre Untersuchungen hätten ergeben, dass Drohnenangriffe auf den internationalen Flughafen von Khartum und andere Ziele von Stützpunkten in Äthiopien aus gestartet worden seien. Die Luftangriffe auf eine zivile Einrichtung, die unter dem Schutz des Völkerrechts stehe, seien eine gefährliche Eskalation. Das sudanesische Militär kündigte an, seinen Botschafter in Addis Abeba zu Konsultationen zurückzurufen und weitere Beweise dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vorzulegen. Das Recht auf Antwort zu gegebener Zeit und am geeigneten Ort behalte man sich vor.
Aus äthiopischer Sicht sind die Vorwürfe haltlos. Das Außenministerium in Addis Abeba wies die Anschuldigungen als „unbegründet“ zurück und erklärte, Äthiopien habe sich zurückgehalten, obwohl es schwerwiegende Verstöße des sudanesischen Militärs zu beklagen habe. In einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme beschuldigte Addis Abeba seinerseits die sudanesischen Streitkräfte, die Volksbefreiungsfront von Tigray mit Waffen und Geld zu unterstützen. Diese „Söldner“ – so der Vorwurf – seien von sudanesischer Seite ausgerüstet worden und hätten Einfälle entlang der westlichen Grenze Äthiopiens unternommen. Der Bürgerkrieg in Tigray zwischen 2020 und 2022 forderte nach Schätzungen der Afrikanischen Union mindestens 600 000 Tote. Der Friedensprozess ist fragil; die Tigray-Front verlangt Rückkehr von Vertriebenen und Rückgabe von Gebieten, während Addis Abeba auf vollständiger Entwaffnung besteht.
Aus Washingtoner Perspektive gewinnt der Konflikt eine zusätzliche Dimension durch die jüngste Entscheidung der Trump-Administration, die Sanktionen gegen Eritrea aufzuheben. Eritrea war während des Tigray-Krieges ein zentraler Verbündeter Äthiopiens; seine Truppen kämpften aufseiten der Bundesregierung. Der diplomatische Vorstoß kompliziert die ohnehin volatile Lage im Horn von Afrika weiter. Beobachter in Nairobi warnen, dass die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Khartum, Addis Abeba und Abu Dhabi das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation erhöhen. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die bereits in anderen Krisen der Region präsent sind, haben sich bisher nicht zu den sudanesischen Vorwürfen geäußert.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die im UN-Sicherheitsrat und in humanitären Programmen im Sudan engagiert sind, stellt die Eskalation eine neue Herausforderung dar. Die europäischen Staaten drängen auf Deeskalation und eine politische Lösung, doch das Misstrauen zwischen den Konfliktparteien ist tief. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die von Khartum angekündigten zusätzlichen Beweise eine internationale Reaktion auslösen oder ob der Schlagabtausch lediglich die Fronten im bereits laufenden Bürgerkrieg verhärtet. Sicher ist: Das Horn von Afrika rückt erneut ins Zentrum rivalisierender Regionalmächte, und die Gefahr einer Fragmentierung wächst.
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