
FIFA preist WM 2026 als Wirtschaftsmotor an – doch die Hotelbranche in den USA sieht eine Flaute
Fünf Wochen vor Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA bleibt die Nachfrage nach Hotelzimmern weit hinter den Erwartungen zurück. 80 Prozent der Unterkünfte melden schlechte Buchungen.
Die FIFA hat die Weltmeisterschaft 2026 als großen wirtschaftlichen Impuls für die Vereinigten Staaten angekündigt, doch die Realität in den Gastgeberstädten zeichnet ein anderes Bild. Nur fünf Wochen vor Turnierbeginn zeigt eine Umfrage der American Hotel and Lodging Association (AHLA), dass rund 80 Prozent der Hotelbetreiber in den elf Metropolregionen, in denen Spiele ausgetragen werden, deutlich weniger Reservierungen verzeichnen als prognostiziert. Manche Branchenvertreter bezeichnen das Megaevent bereits als „Nicht-Ereignis“ – ein Sommer wie jeder andere, nur dass die Stadien nun voll werden sollen. Lediglich ein Viertel der Befragten berichtet von einem signifikanten Anstieg der Buchungen.
Aus Washingtoner Perspektive fällt die Ernüchterung besonders ins Gewicht. Die US-Regierung und die FIFA hatten das Turnier als Katalysator für den Tourismus und die lokale Wirtschaft beworben, doch die Zahlen lügen nicht. Als Hauptgründe für die verhaltene Nachfrage nennen fast zwei Drittel der Hoteliers Schwierigkeiten bei der Visavergabe und geopolitische Spannungen, die insbesondere internationale Reisende abschrecken. Beobachter in Teheran, die die Berichterstattung aufmerksam verfolgen, erinnern daran, dass FIFA-Garantien allein nicht ausreichen, wenn bürokratische Hürden und globale Unsicherheiten den freien Reiseverkehr behindern. Ein Blatt aus dem Umfeld der iranischen Revolutionsgarden spricht gar von illusionärem Optimismus, wer sich allein auf die Zusagen des Fußballweltverbandes verlasse.
Für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum, die eine Teilnahme an der WM in Erwägung ziehen, könnte die Lage paradoxe Vorteile bieten. Während die Hotelpreise in Städten wie New York, Los Angeles oder Miami zunächst in Erwartung eines Ansturms in die Höhe schnellten, sind nun Last-Minute-Angebote wahrscheinlich. Die AHLA hofft, dass mit dem Beginn der Vorrunden und dem zunehmenden medialen Interesse eine zweite Buchungswelle einsetzt. Eine solche Dynamik könnte das Marktbild noch verändern, doch die Zurückhaltung der Fans in Europa und Asien deutet auf ein strukturelles Problem hin: Die Kombination aus hohen Reisekosten, strengen Einreisebestimmungen und globaler politischer Anspannung scheint selbst ein Ereignis von der Größenordnung einer Weltmeisterschaft zu überschatten.
Vor diesem Hintergrund mehren sich die Stimmen, die von einer Neubewertung des Turniers als Wirtschaftsfaktor sprechen. Die FIFA mag die WM 2026 als Erfolgsgeschichte verkaufen, doch die Hotelbranche in den USA wartet noch immer auf den erhofften Boom. Entscheidend wird sein, ob die kurzfristigen Reservierungen tatsächlich eintreffen – oder ob sich die Diskrepanz zwischen Verbandsrhetorik und betriebswirtschaftlicher Realität als dauerhafter Dämpfer erweist.
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