
US-WM-Städte fordern von der FIFA zugesagte Millionen – Zahlung bleibt aus
Vier anonyme Führungskräfte berichten von mündlichen Zusagen über je eine Million Dollar für soziale Projekte, doch die FIFA schweigt.
Mehr als zwei Wochen nach dem Ende der Weltmeisterschaft 2026 warten elf amerikanische Austragungsorte noch immer auf eine zugesagte Millionenzahlung. Wie das Medium The Athletic unter Berufung auf vier Führungskräfte der städtischen Organisationskomitees berichtet, hatte die FIFA-Spitze den Städten mündlich jeweils eine Million US-Dollar als „Legacy“-Beitrag versprochen – für den Bau von Mini-Fußballfeldern und soziale Projekte. Die Zusage sei in mehreren Treffen wiederholt worden, eine öffentliche Ankündigung oder schriftliche Fixierung gab es jedoch nie.
Auslöser der Erwartung war ein Präzedenzfall: Vor dem Klub-WM 2025 in den USA hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino öffentlich verkündet, jede der elf gastgebenden Städte erhalte genau diesen Betrag. Als die WM-Städte – darunter Seattle, Los Angeles, Dallas, Atlanta, Miami und New York/New Jersey – daraufhin nachfragten, ob ihnen für das ungleich größere Turnier mit 48 Mannschaften und 39 Spieltagen dieselbe Summe zustehe, sei ihnen dies von hochrangigen FIFA-Vertretern mündlich zugesichert worden. Die vier anonymen Quellen betonen, die Zusage sei „wiederholt“ und „in Meetings“ bekräftigt worden.
Doch das Geld ist bis heute nicht geflossen. Mehrere Städte haben inzwischen beim FIFA-Personal um Auskunft gebeten, ohne eine Antwort zu erhalten. Die FIFA lehnte auf Anfrage von The Athletic jeden Kommentar ab. Die Verzögerung trifft die lokalen Komitees in einer heiklen Phase: Einige stehen vor der Auflösung, andere müssen gegenüber den örtlichen Behörden Rechenschaft ablegen und wissen nicht, ob sie die erwartete Million in ihre Abschlussberichte aufnehmen sollen.
Die Verstimmung wird durch die schiere Größe des FIFA-Finanzpolsters genährt. Der Verband hat für den Zyklus 2023–2026 Rekordeinnahmen von über 15 Milliarden Dollar vermeldet, das operative Budget für die WM lag bei rund 2,7 Milliarden Dollar. Zwei der Stadtvertreter äußerten gegenüber The Athletic Unverständnis darüber, dass die FIFA bei einer so vergleichsweise geringen Summe zögere, nachdem die Kommunen mit öffentlichen Mitteln für Sicherheit, Transport und Fan-Feste in Vorleistung gegangen seien.
Der Vorgang reiht sich in eine Serie von Kontroversen um Infantino ein. Erst kürzlich warf Prinz Ali bin Al Hussein dem FIFA-Präsidenten vor, die jordanische Fußballföderation warte noch auf Preisgelder aus dem Arab Cup, und sprach von versuchter Einflussnahme auf die Wiederwahl. Gleichzeitig bröckelt der Rückhalt in Europa: Englands und Wales’ Verbände wollen Infantino bei der Wahl 2027 nicht unterstützen, und die UEFA hat ihre Haltung verschärft. Für die amerikanischen WM-Städte bleibt vorerst nur die Ungewissheit – und die Frage, ob aus dem mündlichen Versprechen je eine Zahlung wird.
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