
Weltgymnastikverband hebt Sanktionen auf: Russische Athleten wieder mit Flagge und Hymne
Der Internationale Turnverband hat alle Beschränkungen für russische und belarussische Athleten aufgehoben. Sie dürfen künftig wieder unter eigener Flagge antreten – ein umstrittener Schritt.
Der Internationale Turnverband (FIG) hat die letzte Hürde für die Rückkehr russischer und belarussischer Athleten auf die internationale Bühne beseitigt. Auf seiner Exekutivsitzung im ägyptischen Scharm El-Scheich am 17. Mai entschied das Gremium, alle seit Februar 2022 geltenden Beschränkungen mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Damit endet die Phase, in der Sportler aus beiden Ländern nur als neutrale Einzelathleten antreten durften; künftig werden bei Wettkämpfen wieder ihre Nationalflaggen gehisst und Hymnen gespielt. Der Beschluss umfasst alle fünf Disziplinen der FIG – von der Gerätturnen über die Rhythmische Sportgymnastik bis hin zu Trampolinspringen, Akrobatik und Aerobic.
Aus Moskau wurde die Entscheidung als längst überfällige Rehabilitation gefeiert. Oleg Belosjorov, Präsident des russischen Turnverbands und zugleich Chef der Russischen Eisenbahnen, dankte FIG-Präsident Morinari Watanabe ausdrücklich für dessen „konstruktiven Ansatz und die Unterstützung der Prinzipien des offenen internationalen Sports“. Als erster Auftritt unter dem eigenen Banner sind die Sportakrobaten vorgesehen: Ende Mai werden sie beim Weltcup im bulgarischen Burgas an den Start gehen, im Juni folgt eine Station in Aserbaidschan.
In Deutschland stieß der Vorstoß hingegen auf scharfe Ablehnung. Stephan Mayer (CSU), sportpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, bezeichnete die Aufhebung der Restriktionen als „Schlag ins Gesicht der Ukraine“. Russland führe mit Unterstützung von Belarus weiterhin einen brutalen Angriffskrieg, der zahllose zivile Opfer fordere. Die Entscheidung des Turnverbands zeuge von mangelndem Unrechtsbewusstsein und untergrabe die Glaubwürdigkeit des internationalen Sports. Auch aus anderen westlichen Hauptstädten dürfte Kritik laut werden, zumal die Ukraine selbst bislang von vergleichbaren Lockerungen ausgeschlossen bleibt.
Die Entscheidung der FIG markiert einen weiteren Schritt in der allmählichen Rückkehr russischer und belarussischer Athleten in den internationalen Spitzensport, nachdem bereits andere Verbände wie der Judo- oder der Schwimmverband ihre Sanktionen gelockert haben. Doch sie offenbart auch die tiefe Spaltung innerhalb der olympischen Bewegung: Während die einen auf die Autonomie der Sportverbände pochen und eine Entpolitisierung des Sports fordern, verweisen andere auf die unvermindert aggressive russische Außenpolitik. Der Kompromiss, der in Scharm El-Scheich gefunden wurde, mag die Einheit der Turnfamilie vorerst wahren – die grundsätzlichen Fragen nach dem Verhältnis von Sport und Krieg bleiben jedoch ungelöst.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.70 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | +0.80 | aligned |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
The International Gymnastics Federation's decision to fully reinstate Russian and Belarusian athletes with flags and anthems sparks strong indignation in Germany. Critics call the move an unforgivable mistake that ignores the war context and further divides world sports.
The Russian Gymnastics Federation enthusiastically welcomes the removal of all restrictions, thanking the FIG president. The decision is presented as an important step for the unity of the gymnastics community and the protection of athletes, after over four years of sanctions deemed unfair.
The FIG announced the immediate lifting of all restrictions for Russian and Belarusian gymnasts, allowing them to compete again under national flags. The decision ends a period of neutrality imposed after the invasion of Ukraine, restoring full rights for the countries involved.
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