
Formel 1 startet in Miami neu: Technische Wende und argentinische Euphorie
Nach einer erzwungenen Pause von über fünf Wochen kehrt die Formel 1 an diesem Wochenende mit dem Großen Preis von Miami auf die Rennstrecke zurück. Die Absage der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien wegen des Krieges im Iran hat das Regime der Saison grundlegend verändert. Was wie eine einfache Unterbrechung wirkte, entpuppt sich als Neustart: Die Teams nutzten die Zeit für tiefgreifende Entwicklungen, und die erste gemeinsame Bewertung fällt aus den Boxen heraus. Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur spricht offen von einem „neuen Championat“. Tatsächlich werden in Miami zahlreiche Autos mit veränderten Frontflügeln, überarbeiteten Unterböden und neuen Lackierungen antreten – am auffälligsten der knallgelbe VCARB 03 der Racing Bulls.
Die technische Neuerung beschränkt sich aber nicht auf die Optik. Die Rennserie hat „chirurgische“ Modifikationen an den Hybridaggregaten vorgenommen, um den übermäßigen Einfluss der Batterieleistung zu begrenzen. Vierfach-Weltmeister Max Verstappen hatte zuvor mit Rücktrittsgedanken gedroht, weil er die ständige Rekuperationsdiktatur nicht mehr mittragen wollte. Die Änderungen, die während der Zwangspause entwickelt wurden, zielen darauf ab, das Fahrverhalten wieder stärker in die Hände der Piloten zu legen.
Aus argentinischer Perspektive steht Miami ganz im Zeichen von Franco Colapinto. Der 22-jährige Alpine-Pilot hat das Land mit einem Roadshow in Buenos Aires in einen Taumel versetzt: über 600.000 Fans säumten die Straßen, um den jungen Fahrer zu feiern, der es trotz eines unterlegenen Wagens versteht, Massen zu begeistern. Vor dem Rennen traf Colapinto Lionel Messi – ein Treffen, das Millionen bewegte. Alpine bringt unterdessen Verbesserungen an den Wagen, um Colapinto und seinem Teamkollegen Pierre Gasly bessere Chancen auf dem schnellen, fehlerverzeihenden Kurs am Hard Rock Stadium zu geben. Die Sehnsucht nach einem eigenen Grand-Prix-Heimspiel wächst: Am Autódromo Óscar y Juan Gálvez in Buenos Aires laufen Bauarbeiten für rund 100 Millionen Dollar, um den Kurs für die Formel 1 fit zu machen.
Auch Oscar Piastri von McLaren meldet sich nach dem Break zurück. Der Australier hatte in Suzuka zu alter Stärke gefunden und will den Schwung in Miami nutzen, um den jungen Italiener Kimi Antonelli an der Spitze der Gesamtwertung herauszufordern. Antonelli war nach seinem Sieg in Japan zum jüngsten Tabellenführer der Geschichte geworden – ein Prestigegewinn für Italiens Motorsport, der nun unter Beweis stellen muss, ob er die technische Wende unbeschadet übersteht. Der Grand Prix von Miami, der fünfte seiner Art, ist mehr als ein einfaches Rennen: Er wird entscheiden, ob die Pause den Kräfteverhältnissen eine neue Richtung gegeben hat. Die Blicke aus Peking, Washington und vor allem aus Buenos Aires ruhen auf den kommenden zwei Tagen – nüchtern, aber mit der Spannung, die nur ein echter Neustart auslösen kann.
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