
Freiburgs Halbfinal-Debüt in Bragas Felsenstadion – ein Abend der Extreme
Die wohl bizarrste Spielstätte des europäischen Fußballs wird am Donnerstagabend zur Bühne für den SC Freiburg. Im Estadio Municipal von Braga, das sich an eine steile Felswand schmiegt und dessen Fans teilweise über das Stadiondach zu ihren Plätzen gelangen, bestreitet der Bundesligist das erste Halbfinale der Vereinsgeschichte in der Europa League. Was aus Freiburger Sicht wie eine Belohnung für eine überragende Saison wirkt, ist für den Gegner SC Braga die Chance, den eigenen europäischen Höhenflug zu krönen.
Die portugiesische Mannschaft setzte sich zuvor gegen Betis Sevilla durch und vertraut auf die explosive Stimmung im eigenen Stadion, das von UEFA-Funktionären immer wieder als eines der ungewöhnlichsten des Kontinents beschrieben wird. Aus brasilianischer Perspektive überschattet dieser Höhepunkt indes nicht die südamerikanischen Pokalabende. Gleich mehrere argentinische Klubs sind am Donnerstag im Einsatz, doch die Ergebnisse fielen durchwachsen aus.
Racing Club de Avellaneda musste sich in der Copa Sudamericana mit einem enttäuschenden 1:1 bei Caracas FC begnügen und baute damit seine Negativserie auf nur einen Sieg aus den letzten sieben Pflichtspielen aus. Aus der Hauptstadt Buenos Aires wird berichtet, dass Trainer Gustavo Costas zunehmend unter Druck gerät, zumal Gabriel Rojas einen Foulelfmeter vergab. River Plate reiste unterdessen zu Red Bull Bragantino nach São Paulo und musste sich mit einem Punkt begnügen – ein Resultat, das die Tabellenführung im Grupo H vorerst sichert, aber die Erwartungen an den mehrfachen Libertadores-Sieger nicht erfüllt.
In der Copa Libertadores sorgte ein Überraschungsteam für Schlagzeilen: Independiente Rivadavia aus Mendoza empfing Deportivo La Guaira aus Venezuela nach einem historischen Sieg im Maracanã gegen Fluminense. Die Mendociner führen die Gruppe C an und demonstrieren, dass die argentinische Fußballbreite auch auf kontinentaler Ebene konkurrenzfähig ist. Ein Novum ganz anderer Art kündigt sich aus Russland an: Der brasilianische Sender BandSports wird ab sofort wieder Spiele der russischen Premier League übertragen – ein Schritt, der vier Jahre nach dem Aussetzen der Ausstrahlung im März 2022 erfolgt.
Aus Moskauer Sicht ist dies ein diplomatischer Erfolg in Zeiten der sportlichen Isolation. Für die brasilianischen Zuschauer bedeutet es die Möglichkeit, Nationalspieler wie Luis Henrique oder Douglas Santos zu verfolgen, die für Zenit St. Petersburg auflaufen.
Die Frage, ob dieser Schritt auch politische Signale setzt, bleibt offen. Für den deutschen Fußball steht nun jedoch der Donnerstagabend in Braga im Vordergrund. Sollte Freiburg das Finale erreichen, wäre dies ein weiteres Kapitel im Märchen eines Vereins, der sich ohne großes Kapital an die europäische Spitze gearbeitet hat.
Eine Niederlage hingegen würde die Saison nicht entwerten – der sportliche Wert des Halbfinales wiegt für den SC schwerer als jedes Ergebnis in einem außergewöhnlichen Stadion.
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