
Jerome Powells letzter Akt: Fed belässt Zins unverändert, der scheidende Chef trotzt Trump
Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat auf ihrer jüngsten Sitzung den Leitzins wie erwartet in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Es war die dritte Zinspause in Folge, doch die Entscheidung fiel unter einem beispiellosen Dissens: Vier der zwölf stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses stimmten dagegen – die größte interne Fraktionierung seit Oktober 1992. Aus Washingtoner Sicht war dies ein klarer Hinweis darauf, dass die Geldpolitik in eine Phase wachsender Unsicherheit eintritt, bevor der designierte Nachfolger Kevin Warsh Mitte Mai die Führung übernimmt.
Drei der abweichenden Stimmen forderten, die Aussicht auf künftige Zinssenkungen aus der Kommunikation zu streichen, ein viertes Mitglied – Stephen Miran, ein Vertrauter von Präsident Donald Trump – plädierte sogar für eine sofortige Lockerung. Der Zinsentscheid selbst ist von den jüngsten Preissprüngen auf den Energiemärkten überschattet. Die Eskalation im Nahen Osten, insbesondere die Blockade der Straße von Hormus, hat die Rohölpreise in die Höhe getrieben.
In Peking und in den Golfstaaten verfolgt man die Entwicklung mit Sorge, denn eine anhaltende Teuerung in den Vereinigten Staaten würde über die globalen Lieferketten auch andere Wirtschaftsräume belasten. Die Fed stellte in ihrer Erklärung explizit auf den „hohen Grad an Unsicherheit“ ab, der von den geopolitischen Verwerfungen ausgehe. Für europäische Beobachter, insbesondere in Frankfurt, Zürich und Wien, verschärft sich damit die Frage, ob die Europäische Zentralbank in ihrer eigenen Geldpolitik weiter auf Zinssenkungen setzen kann, ohne die Wechselkurse aus dem Lot zu bringen.
Der eigentliche Paukenschlag des gestrigen Tages aber kam von Jerome Powell persönlich. Der 73-jährige scheidende Vorsitzende kündigte an, nach dem Ende seiner Amtszeit am 15. Mai nicht wie üblich aus dem Gouverneursrat auszuscheiden, sondern als einfaches Mitglied zu bleiben – für eine noch unbestimmte Dauer.
Er begründete dies mit den „beispiellosen rechtlichen Angriffen“ der Trump-Administration gegen die Institution. Finanzminister Scott Bessent sprach öffentlich von einer „Beleidigung“ für den designierten Nachfolger Kevin Warsh, dessen Nominierung die Bankenkommission des Senats tags zuvor bestätigt hatte. Aus der Perspektive vieler unabhängiger Notenbanker in aller Welt ist Powells Schritt dennoch nachvollziehbar: Er stellt die institutionelle Autonomie über die Konvention des freiwilligen Abtretens.
Die Folgen für die künftige Führungsdynamik sind noch unklar. Warsh hat zwar versprochen, die Unabhängigkeit der Fed zu wahren, doch er wird nun einen früheren Vorsitzenden im selben Gremium vorfinden – eine historische Konstellation, die in den kommenden Wochen für zusätzliche Spannungen sorgen dürfte.
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