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Ausgabe von 06:00 CETDonnerstag, 6. August 2026
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Sonntag, 26. April 2026

Gegen Washingtons Zollfuror: Kanada und Mexiko suchen den Schulterschluss

In einer bemerkenswerten Akzentverschiebung der kanadischen Aussenpolitik hat Premierminister Mark Carney am Freitag mit der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum die Möglichkeiten einer vertieften bilateralen Zusammenarbeit ausgelotet. Im Zentrum des Gesprächs standen die gemeinsame Erschliessung kritischer Rohstoffe, saubere Technologien, Energie sowie die fortschrittliche Fertigung – ein Signal, das weit über die anstehende Revision des nordamerikanischen Handelsabkommens ACEUM hinausweist. Beide Seiten bekräftigten, ihre wirtschaftlichen Prioritäten enger zu koordinieren, um der eigenen Bevölkerung „mehr Sicherheit, Verlässlichkeit und Wohlstand“ zu bieten, wie es in einer Mitteilung aus Carneys Büro hiess. Angesichts der anhaltenden handelspolitischen Angriffe Donald Trumps verdichtet sich damit der Eindruck, dass Ottawa und Mexiko-Stadt eine gemeinsame Front aufbauen, die den Druck Washingtons auf beide Partner nicht mehr getrennt hinnimmt.

Der Ton in der kanadischen Hauptstadt hat sich unter dem neuen liberalen Premier tatsächlich gewandelt. Erin O’Toole, von 2020 bis 2022 Chef der oppositionellen Konservativen, erklärte in einem Interview, er hätte sich nie von Justin Trudeau in ein Wirtschaftsberatergremium berufen lassen. Carney dagegen sei „ernsthafter“, verfüge über grosse Erfahrung in der Privatwirtschaft und setze auf Inhalte statt auf „symbolische Fototermine“. Diese parteiübergreifende Anerkennung verleiht Carneys aussenwirtschaftlichem Kurs ein Gewicht, das seinem Vorgänger abging. Jocelyn Coulon, Forscher an der Universität Montreal, spricht nach knapp einem Jahr Regierungszeit von einem „fehlerfreien“ Auftritt auf dem internationalen Parkett – ein Kontrapunkt zu Trudeaus gescheitertem Wahlkampf um einen nichtständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat.

Aus Washingtoner Sicht stellt sich die Lage freilich anders dar. US-Handelsminister Howard Lutnick empörte sich jüngst über die Aussetzung amerikanischer Alkoholverkäufe in fast allen kanadischen Provinzen und nannte die Reaktion „beleidigend“ und „respektlos“. Doch nördlich des 45. Breitengrads wird solche Empörung als ebenso unaufrichtig empfunden wie die gesamte von Trump entfachte Handelsfehde. Die im Hause Lutnick kultivierte Opferpose wirkt in Ottawa und Montreal als ein durchsichtiger Versuch, jene wirtschaftliche Eintracht zu torpedieren, die sich nun zwischen Kanada und Mexiko abzeichnet.

Gerade in der Rohstoffpolitik manifestiert sich eine strategische Komplementarität, die über den nordamerikanischen Kontinent hinaus Bedeutung erlangt. Für Deutschland, das für seine Elektromobilitäts- und Energiewende Lithium, Nickel und Kobalt in grossen Mengen benötigt, könnten sich hier alternative Lieferketten öffnen, sollte sich Washingtons Protektionismus weiter zuspitzen. Auch österreichische und schweizerische Hochtechnologieunternehmen, die auf verlässliche Zulieferer angewiesen sind, dürften die kanadisch-mexikanische Annäherung mit Interesse verfolgen. Die Initiative Karneys und Sheinbaums fällt in eine Zeit, in der europäische Industrienationen fieberhaft nach einer Diversifizierung ihrer Rohstoffimporte jenseits Chinas suchen.

Die bevorstehende ACEUM-Revision, die 2026 ansteht, wird zur ersten Belastungsprobe dieser neuen Partnerschaft. Einigen sich Kanada und Mexiko auf eine abgestimmte Verhandlungslinie, könnten sie Trumps bewährtes Verfahren des bilateralen Gegeneinander-Ausspielens wirkungsvoll unterlaufen. Mark Carney hat binnen weniger Monate aus dem Schatten Trudeaus herausgetreten und einen aussenpolitischen Pragmatismus etabliert, der auf wirtschaftliche Resilienz und interkontinentale Brücken setzt. Für Europa, und besonders für den deutschsprachigen Raum, lohnt ein genauer Blick auf diese Dynamik: Sie birgt die Chance, den transatlantischen Handel neu zu justieren und die Abhängigkeit von unberechenbaren Akteuren schrittweise zu verringern.

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Sonntag, 26. April 2026

Gegen Washingtons Zollfuror: Kanada und Mexiko suchen den Schulterschluss

In einer bemerkenswerten Akzentverschiebung der kanadischen Aussenpolitik hat Premierminister Mark Carney am Freitag mit der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum die Möglichkeiten einer vertieften bilateralen Zusammenarbeit ausgelotet. Im Zentrum des Gesprächs standen die gemeinsame Erschliessung kritischer Rohstoffe, saubere Technologien, Energie sowie die fortschrittliche Fertigung – ein Signal, das weit über die anstehende Revision des nordamerikanischen Handelsabkommens ACEUM hinausweist. Beide Seiten bekräftigten, ihre wirtschaftlichen Prioritäten enger zu koordinieren, um der eigenen Bevölkerung „mehr Sicherheit, Verlässlichkeit und Wohlstand“ zu bieten, wie es in einer Mitteilung aus Carneys Büro hiess. Angesichts der anhaltenden handelspolitischen Angriffe Donald Trumps verdichtet sich damit der Eindruck, dass Ottawa und Mexiko-Stadt eine gemeinsame Front aufbauen, die den Druck Washingtons auf beide Partner nicht mehr getrennt hinnimmt.

Der Ton in der kanadischen Hauptstadt hat sich unter dem neuen liberalen Premier tatsächlich gewandelt. Erin O’Toole, von 2020 bis 2022 Chef der oppositionellen Konservativen, erklärte in einem Interview, er hätte sich nie von Justin Trudeau in ein Wirtschaftsberatergremium berufen lassen. Carney dagegen sei „ernsthafter“, verfüge über grosse Erfahrung in der Privatwirtschaft und setze auf Inhalte statt auf „symbolische Fototermine“. Diese parteiübergreifende Anerkennung verleiht Carneys aussenwirtschaftlichem Kurs ein Gewicht, das seinem Vorgänger abging. Jocelyn Coulon, Forscher an der Universität Montreal, spricht nach knapp einem Jahr Regierungszeit von einem „fehlerfreien“ Auftritt auf dem internationalen Parkett – ein Kontrapunkt zu Trudeaus gescheitertem Wahlkampf um einen nichtständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat.

Aus Washingtoner Sicht stellt sich die Lage freilich anders dar. US-Handelsminister Howard Lutnick empörte sich jüngst über die Aussetzung amerikanischer Alkoholverkäufe in fast allen kanadischen Provinzen und nannte die Reaktion „beleidigend“ und „respektlos“. Doch nördlich des 45. Breitengrads wird solche Empörung als ebenso unaufrichtig empfunden wie die gesamte von Trump entfachte Handelsfehde. Die im Hause Lutnick kultivierte Opferpose wirkt in Ottawa und Montreal als ein durchsichtiger Versuch, jene wirtschaftliche Eintracht zu torpedieren, die sich nun zwischen Kanada und Mexiko abzeichnet.

Gerade in der Rohstoffpolitik manifestiert sich eine strategische Komplementarität, die über den nordamerikanischen Kontinent hinaus Bedeutung erlangt. Für Deutschland, das für seine Elektromobilitäts- und Energiewende Lithium, Nickel und Kobalt in grossen Mengen benötigt, könnten sich hier alternative Lieferketten öffnen, sollte sich Washingtons Protektionismus weiter zuspitzen. Auch österreichische und schweizerische Hochtechnologieunternehmen, die auf verlässliche Zulieferer angewiesen sind, dürften die kanadisch-mexikanische Annäherung mit Interesse verfolgen. Die Initiative Karneys und Sheinbaums fällt in eine Zeit, in der europäische Industrienationen fieberhaft nach einer Diversifizierung ihrer Rohstoffimporte jenseits Chinas suchen.

Die bevorstehende ACEUM-Revision, die 2026 ansteht, wird zur ersten Belastungsprobe dieser neuen Partnerschaft. Einigen sich Kanada und Mexiko auf eine abgestimmte Verhandlungslinie, könnten sie Trumps bewährtes Verfahren des bilateralen Gegeneinander-Ausspielens wirkungsvoll unterlaufen. Mark Carney hat binnen weniger Monate aus dem Schatten Trudeaus herausgetreten und einen aussenpolitischen Pragmatismus etabliert, der auf wirtschaftliche Resilienz und interkontinentale Brücken setzt. Für Europa, und besonders für den deutschsprachigen Raum, lohnt ein genauer Blick auf diese Dynamik: Sie birgt die Chance, den transatlantischen Handel neu zu justieren und die Abhängigkeit von unberechenbaren Akteuren schrittweise zu verringern.

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