
Gescheiterte Entspannung: Ölpreise springen an, Straße von Hormus bleibt blockiert
Die Rohölpreise sind zu Beginn der Woche sprunghaft gestiegen, nachdem die Hoffnung auf eine baldige diplomatische Lösung im Iran-Konflikt erneut enttäuscht wurde. Brent notierte am Montag zeitweise um 2,5 Prozent fester bei über 108 Dollar je Barrel, amerikanisches WTI kletterte auf mehr als 96 Dollar. Beide Sorten erreichten damit den höchsten Stand seit Anfang April und weiteten die massiven Wochengewinne der Vorwoche aus, als die Notierungen im zweistelligen Prozentbereich zugelegt hatten. Die Marktbewegung spiegelt die wachsende Überzeugung wider, dass die Blockade der Straße von Hormus noch längere Zeit andauern wird und eine Normalisierung des globalen Ölangebots in weiter Ferne liegt.
Auslöser des jüngsten Preisschubs war das abrupte Scheitern neuer Friedensbemühungen. Aus Washingtoner Sicht hatte Präsident Trump eine für das Wochenende geplante Entsendung hochrangiger Unterhändler nach Islamabad kurzfristig abgesagt. Pakistan und Oman hatten in den vergangenen Wochen als Vermittler fungiert, doch die Positionen beider Seiten liegen weit auseinander. Washington besteht auf einer vollständigen Abrüstung des iranischen Atomprogramms als Bedingung für jede Vereinbarung. Teheran wiederum ließ über inoffizielle Kanäle verlauten, es sei bereit, die für den internationalen Handel lebenswichtige Meerenge wieder zu öffnen, falls die Vereinigten Staaten ihre militärische Blockade iranischer Häfen und Schiffe aufhöben – ein Angebot, das ausdrücklich keine Zugeständnisse beim Nuklearprogramm vorsieht.
Aus Teheraner Perspektive sind Gespräche sinnlos, solange der militärische Druck anhält. Außenminister Araghchi reiste, nach Pendeldiplomatie in Oman, nach Moskau weiter, um die eigene Position abzustimmen. Gleichzeitig erklärte die Führung der Hisbollah, sie lehne die von den USA vermittelten Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon sowie deren Ergebnisse ab, was den fragilen Waffenstillstand an der Nordfront Israels zusätzlich belastet. Arabische Vermittler beklagen, dass sich der Konflikt immer mehr zu einem kostspieligen Stellungskrieg verhärtet, in dem niemand den ersten Schritt machen will.
Für die globalen Energiemärkte ist die praktisch vollständige Unterbrechung des Tankerverkehrs durch Hormus der entscheidende Faktor. Die schmale Wasserstraße, durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Öltransports läuft, bleibt durch wechselseitige Marineoperationen de facto gesperrt. Rohöl, Erdgas und Produkte stauen sich, während Industrienationen zusehends auf strategische Reserven zurückgreifen müssen. Die Sorge vor einer Angebotsverknappung wird von Tag zu Tag akuter.
Aus europäischer Perspektive, und besonders für die exportorientierten Volkswirtschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, verschärft der anhaltende Preisdruck die ohnehin angespannte Inflationslage. Jede weitere Eskalation trifft die energieintensiven Industrien der DACH-Region unmittelbar und dämpft die Konsumnachfrage. Beobachter in Peking und anderen rohstoffabhängigen Schwellenländern sehen ebenfalls eine wachsende Gefahr für den globalen Aufschwung.
Vorausschauend bleibt wenig Raum für Optimismus. Solange Washington auf der nuklearen Dimension beharrt und Teheran eine Aufhebung der Seeblockade ohne Vorbedingungen fordert, ist ein Ausweg aus der Sackgasse nicht erkennbar. Ein robuster diplomatischer Rahmen, der beide Aspekte – die freie Schifffahrt und die nukleare Rüstungskontrolle – verbindlich verknüpft, wäre notwendig, erscheint derzeit aber kaum durchsetzbar. Die Ölmärkte werden die Risikoprämie deshalb einpreisen müssen, bis entweder ein politischer Durchbruch gelingt oder sich die militärische Logik auf andere, noch kostspieligere Weise Bahn bricht.
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