
Handelsdefizit der USA steigt auf 60 Milliarden Dollar – Marokko ebenfalls mit wachsender Lücke
Das US-Handelsdefizit wuchs im März auf 60,3 Milliarden Dollar, angetrieben von Importen für KI-Investitionen. Auch Marokko verzeichnete einen deutlichen Anstieg des Außenhandelsungleichgewichts.
Die handelspolitische Gemengelage verdichtet sich: Das amerikanische Handelsdefizit ist im März auf 60,3 Milliarden Dollar gestiegen, ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Der Anstieg fiel etwas geringer aus als von Ökonomen erwartet, bleibt aber ein Politikum, da Präsident Trump wiederholt angekündigt hatte, die Außenhandelsbilanz mit Zöllen zu verbessern. Aus Washingtoner Sicht ist die Entwicklung vor allem auf einen sprunghaften Anstieg der Importe zurückzuführen, die um 2,3 Prozent auf 381,2 Milliarden Dollar zulegten. Treiber war ein Rekordwert bei den Einfuhren von Investitionsgütern, die auf 120,7 Milliarden Dollar kletterten – ein direkter Ausdruck des Booms im Bereich der künstlichen Intelligenz, der US-Unternehmen zu massiven Maschinen- und Anlagenkäufen aus dem Ausland veranlasst. Zugleich stiegen die Exporte, begünstigt durch höhere Petroleumlieferungen infolge der Nahostkonflikte, jedoch nicht ausreichend, um das Defizit zu schließen. Der Außenhandel zog das Bruttoinlandsprodukt der USA im ersten Quartal um 1,3 Prozentpunkte nach unten; die Wirtschaft wuchs annualisiert nur um 2,2 Prozent.
Während die USA mit den Folgen ihrer Importabhängigkeit ringen, zeigt sich ein ähnliches Muster in Nordafrika. Marokkos Handelsbilanz wies für die ersten drei Monate des Jahres 2026 ein Defizit von 87,37 Milliarden Dirham aus – ein Anstieg um 23,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie die Devisenstelle in Rabat mitteilte. Auch hier überflügelten die Importe mit einem Plus von 11,1 Prozent die Ausfuhren, die nur um 3,3 Prozent zulegten. Die marokkanischen Einfuhren stiegen vor allem bei Rohstoffen um 42,2 Prozent und bei fertigen Ausrüstungsgütern um 24,7 Prozent – ein Zeichen für eine anziehende Industrienachfrage, die allerdings die heimische Exportbasis überfordert. Die Deckungsquote fiel um 4,4 Punkte auf nur noch 58 Prozent.
Für die deutsche Exportwirtschaft sind diese globalen Ungleichgewichte von unmittelbarer Relevanz, da die USA als wichtigster Abnehmer deutscher Investitionsgüter weiterhin hohe Importmengen nachfragen, was die Nachfrage nach Maschinen aus dem DACH-Raum stützt. Zugleich zeigt der Fall Marokko, dass auch Schwellenländer zunehmend unter importgetriebenen Defiziten leiden, was die Absatzmärkte für europäische Konsum- und Industriegüter mittelfristig belasten könnte. Beobachter in Peking verweisen darauf, dass die US-Importwelle teilweise auf Vorzieheffekte vor drohenden Zollerhöhungen zurückgeht – ein Phänomen, das die Handelsströme weiter verzerren dürfte. Die Perspektive für die kommenden Monate bleibt getrübt: Sollte die US-Konjunktur nachlassen, könnte der Importboom abrupt abbrechen, mit Folgen für die globalen Lieferketten. Die wachsenden Defizite in Washington und Rabat unterstreichen, dass protektionistische Maßnahmen allein strukturelle Handelsungleichgewichte nicht zu beheben vermögen – sie verschieben sie lediglich.
Erweitere deinen Horizont
US-Senat verabschiedet Sanktionspaket mit Zolldrohung gegen Russland-Energiekäufer
2 Sprachen · 40 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyEU-Regeln in Kraft, Indien verschärft IT-Regeln, Brasilien fordert Meta-Untersuchung
2 Sprachen · 8 Quellen