
WHO warnt vor weiteren Hantavirus-Fällen – Kreuzfahrtschiff nähert sich Teneriffa
Nach drei Todesfällen auf der MV Hondius bereitet Spanien die Evakuierung vor. Die Weltgesundheitsorganisation sieht das Risiko für die Allgemeinbevölkerung als gering an.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat davor gewarnt, dass in den kommenden Wochen weitere Fälle von Hantavirus im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius auftreten könnten. Während das Schiff am Sonntag vor Teneriffa eintrifft, bereitet Spanien eine logistisch aufwendige Evakuierung der mehr als 140 Passagiere und Besatzungsmitglieder vor. Die WHO betont jedoch, dass es sich nicht um den Beginn einer Pandemie handelt – das Virus unterscheide sich grundlegend von SARS-CoV-2, da es nur durch engen und anhaltenden Kontakt übertragen werde.
Der Ausbruch der sogenannten Andes-Variante, der einzigen von Mensch zu Mensch übertragbaren Form des Hantavirus, hat bislang fünf bestätigte und drei Verdachtsfälle sowie drei Todesfälle gefordert. Die Inkubationszeit von bis zu sechs Wochen erschwert die internationale Kontaktnachverfolgung. In Alicante wurde eine 32-jährige Frau mit Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert – sie saß im selben Flugzeug wie eine später verstorbene Niederländerin aus dem Kreuzfahrtschiff. Ein weiterer Verdachtsfall betrifft einen britischen Staatsbürger auf der abgelegenen Atlantikinsel Tristan da Cunha. Eine KLM-Flugbegleiterin, die ebenfalls Symptome zeigte, wurde negativ getestet.
Aus Madrider Sicht steht Spanien vor einer koordinativen Herausforderung: Das Schiff wird nicht anlegen, sondern auf Reede bleiben. Die Passagiere sollen mit kleinen Booten an Land gebracht werden, sobald die für sie bereitgestellten Flugzeuge in Teneriffa bereitstehen. Die spanische Regierung arbeitet mit 22 Nationen zusammen, darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Staatsbürger an Bord sind. Aus Washingtoner Sicht handelt es sich um eine ernste, aber begrenzte Bedrohung: Die US-Behörden entsenden ein Repatriierungsflugzeug, das die 17 amerikanischen Passagiere in die Biocontainment-Einheit des University of Nebraska Medical Center bringen soll. Auch Indien hat Überwachungsmaßnahmen eingeleitet, die zwei indischen Staatsbürger an Bord sind asymptomatisch.
Der Fall verdeutlicht die anhaltende Verwundbarkeit des internationalen Reiseverkehrs gegenüber seltenen Erregern. Doch die WHO wie auch nationale Experten betonen, dass Hantavirus nicht mit Covid-19 gleichzusetzen ist: Es verbreitet sich nicht über Aerosole, sondern vor allem durch direkten Kontakt mit Nagetierausscheidungen oder – im Fall der Andes-Variante – durch engste menschliche Interaktion. Die bislang ermittelten Infektionsketten legen nahe, dass der Ausbruch auf das Schiff beschränkt bleiben könnte. Die nächsten zwei Wochen werden zeigen, ob die weitreichenden Quarantänemaßnahmen greifen. Für die Kreuzfahrtbranche ist dies ein erneuter Weckruf, medizinische Notfallpläne zu schärfen – eine Rückkehr zur Normalität wie vor der Pandemie ist dennoch nicht in Gefahr.
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