
Im Zeugenstand: OpenAI-Mitgründer Brockman gibt Aktien im Wert von 30 Milliarden Dollar preis
Greg Brockman bezeugt seinen Milliardenanteil an OpenAI – der Prozess von Elon Musk könnte die Zukunft des KI-Pioniers entscheidend prägen.
Die zweite Woche im Prozess zwischen Elon Musk und den Gründern von OpenAI hat mit einer Enthüllung begonnen, die das Ausmaß des wirtschaftlichen Eigeninteresses hinter der einst als gemeinnützig deklarierten KI-Forschung schlaglichtartig beleuchtet. Greg Brockman, Mitgründer und Präsident des ChatGPT-Entwicklers, gab am Montag vor dem Bundesgericht in Oakland, Kalifornien, zu Protokoll, dass seine persönliche Beteiligung an dem Unternehmen fast 30 Milliarden Dollar wert sei. Zugleich bestätigte er, dass OpenAI einen Börsengang erwäge. Aus Sicht der kalifornischen Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers, die als erste ihres Distrikts eine Audio-Übertragung des Verfahrens auf YouTube erlaubt, geht es im Kern um die Frage, ob Musk als Gründungsspender getäuscht wurde und das Unternehmen zu seiner ursprünglichen Non-Profit-Struktur zurückkehren muss.
Der Fall, den der US-Technologiemilliardär vor zwei Jahren angestrengt hat, wird von den Anwälten Altmans und Brockmans als persönliche Vendetta eines enttäuschten Investors gerahmt. Neue Gerichtsakten zeigen, dass Musk zwei Tage vor Prozessbeginn noch versucht hatte, Brockman zu einer Einigung zu bewegen. Als dieser einen gegenseitigen Forderungsverzicht vorschlug, antwortete Musk mit der Drohung: „Bis Ende dieser Woche wirst du mit Sam zu den meistgehassten Männern Amerikas gehören.“ Diese rhetorische Eskalation, die die Financial Times aus den Unterlagen zitiert, steht in scharfem Kontrast zu den freundschaftlichen Anfängen. Im Jahr 2015 hatten Musk und Altman gemeinsam OpenAI als Non-Profit gegründet; Altman sandte Musk im Frühjahr 2023 noch eine SMS voller Dankbarkeit, wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht. Inzwischen, so argumentiert die Klägerseite, habe Altman das Unternehmen nach dem Erfolg von ChatGPT skrupellos in eine gewinnorientierte, mit 850 Milliarden Dollar bewertete Firma verwandelt.
Aus Washingtoner Perspektive geht der Prozess über einen privaten Rechtsstreit hinaus: Er berührt Grundsatzfragen der Wettbewerbspolitik im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Der KI-Wissenschaftler Stuart Russell, den Musk als Experten benannt hat, soll darlegen, dass die Umwandlung von OpenAI das ursprüngliche Sicherheitsversprechen untergrub. Beobachter in Peking verfolgen das Verfahren mit besonderer Aufmerksamkeit: Ein erfolgreicher Vorstoß Musks, OpenAI zurück in die Non-Profit-Sphäre zu drängen, könnte den Vorsprung des amerikanischen KI-Champions empfindlich bremsen und chinesischen Anbietern ein Fenster öffnen. In Berlin und Wien werden die Entwicklungen unter regulatorischen Gesichtspunkten beobachtet: Das europäische KI-Gesetz, das im August in Kraft tritt, setzt auf klare Marktakteure – ein zerstrittener, möglicherweise entflechteter US-Konzern würde die Rechtsdurchsetzung erschweren.
Die Aussage Brockmans, die am Dienstag fortgesetzt werden soll, legt offen, wie tief die wirtschaftlichen Verflechtungen inzwischen reichen. Unter Eid räumte Musk in der vergangenen Woche überdies ein, dass Tesla entgegen seiner öffentlichen Behauptungen derzeit keine allgemeine Künstliche Intelligenz entwickele – ein Widerspruch, der seine Glaubwürdigkeit in den Augen der Jury mindern könnte. Das Verfahren, das bis Ende Mai dauern soll, wird mit Spannung erwartet: nicht nur, weil Sam Altman ab der zweiten Maiwoche selbst im Zeugenstand erwartet wird, sondern weil das Urteil die künftige Organisation eines der wertvollsten Technologieunternehmen der Welt bestimmen wird – und damit den Kurs der generativen KI insgesamt.
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