
Indien und Vietnam vertiefen strategische Partnerschaft: 25 Milliarden Dollar bis 2030
Beide Staaten heben Beziehungen auf Stufe der erweiterten umfassenden strategischen Partnerschaft, setzen ehrgeizige Handelsziele und planen Rüstungskooperation.
Indien und Vietnam haben am Mittwoch in Neu-Delhi beschlossen, ihre bilateralen Beziehungen auf die Stufe einer „erweiterten umfassenden strategischen Partnerschaft“ zu heben. Ministerpräsident Narendra Modi und der vietnamesische Präsident Tô Lâm einigten sich auf ein ehrgeiziges Handelsziel von 25 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2030. Beide Seiten unterzeichneten dreizehn Abkommen, darunter ein Kooperationsabkommen über kritische Rohstoffe und seltene Erden. Aus Regierungskreisen in Neu-Delhi verlautete, dass Verteidigungsminister Rajnath Singh noch im Mai nach Hanoi reisen werde, um die militärische Zusammenarbeit weiter zu vertiefen – im Raum steht der mögliche Kauf des indischen BrahMos-Marschflugkörpers durch Vietnam.
Die Annäherung zwischen den beiden asiatischen Schwellenländern ist vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen im Indopazifik zu sehen. Aus Sicht Hanois bietet die enge Partnerschaft mit Indien eine wertvolle Gelegenheit, die Abhängigkeit von Peking zu verringern, insbesondere angesichts der anhaltenden Seestreitigkeiten im Südchinesischen Meer. Beobachter in Peking registrieren die Entwicklung mit Skepsis, denn Vietnam gilt als strategischer Pfeiler der indischen „Act East“-Politik und des von Modi propagierten „MAHASAGAR“-Konzepts, das auf eine freie und offene Indopazifik-Region abzielt. In Washington hingegen wird der Schritt begrüßt: Die Vertiefung der indisch-vietnamesischen Zusammenarbeit gilt aus amerikanischer Sicht als willkommene Ergänzung des Quad-Bündnisses, ohne dass Neu-Delhi formell einer Allianz gegen China beitritt.
Die wirtschaftliche Dimension der neuen Partnerschaft ist beachtlich. Der bilaterale Handel hat bereits die Marke von 16 Milliarden US-Dollar überschritten. Modi betonte, dass die Kooperation bei kritischen Mineralien und seltenen Erden nicht nur die wirtschaftliche Sicherheit beider Länder stärke, sondern auch die Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten erhöhe. Für die deutsche Wirtschaft, die in beiden Ländern stark investiert ist, eröffnen sich damit neue Chancen, aber auch Herausforderungen: Die enge Verflechtung Indiens und Vietnams könnte mittelfristig die Positionierung europäischer Unternehmen in der Region beeinflussen. Österreichische und schweizerische Exporteure, die auf stabile Lieferketten in Südostasien angewiesen sind, beobachten die Entwicklung mit erhöhter Aufmerksamkeit.
Die Zukunft der erneuerten Achse zwischen Neu-Delhi und Hanoi hängt wesentlich davon ab, wie beide Staaten das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Integration und strategischer Autonomie ausbalancieren. Während die Rüstungsgeschäfte – namentlich der BrahMos-Deal – als klares Signal gegen die wachsende maritime Präsenz Chinas gedeutet werden, betonten indische Diplomaten, dass die Partnerschaft sich gegen kein drittes Land richte. Gerade diese ambivalente Formulierung dürfte in den kommenden Monaten die außenpolitischen Debatten in der Region prägen.
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