
Interstellarer Komet erweist sich als 12 Milliarden Jahre alt, Voyager 1 vor Lichttag-Rekord
Während Voyager 1 im November die Distanz von einem Lichttag erreicht, belegt eine Nature-Studie, dass der interstellare Komet 3I/ATLAS vor 12 Milliarden Jahren in einem fremden Planetensystem entstand.
Der interstellare Komet 3I/ATLAS, der im Oktober 2025 das innere Sonnensystem durchquerte, ist mit rund 12 Milliarden Jahren etwa dreimal so alt wie das Sonnensystem selbst. Dies belegt eine am Montag in der Fachzeitschrift Nature publizierte Studie, die auf spektroskopischen Messungen des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) und des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile beruht. Zeitgleich erreicht die 1977 gestartete NASA-Sonde Voyager 1 im November eine Entfernung von einem Lichttag – knapp 26 Milliarden Kilometer – und übermittelt noch immer Daten zur Erde, obwohl ihre Mission ursprünglich auf fünf Jahre ausgelegt war.
Die Analyse der Isotopenverhältnisse im Gas des Kometen offenbart eine chemische Signatur, die sich fundamental von allen bekannten Körpern des Sonnensystems unterscheidet. Der Deuteriumgehalt im Wasser liegt mit 0,98 Prozent mehr als zehnmal höher als bei solaren Kometen und übertrifft selbst Werte in protostellaren Wolken. Dies deutet auf eine Entstehung bei extrem niedrigen Temperaturen von höchstens 30 Kelvin (rund –243 Grad Celsius) hin. Zugleich weist das Verhältnis von Kohlenstoff-12 zu Kohlenstoff-13 eine Anomalie auf, die nach Modellen der galaktischen chemischen Evolution nur in einer sehr frühen Phase der Milchstraße erreicht werden konnte, als massereiche Sterne noch wenig schweren Kohlenstoff ins interstellare Medium ausgestoßen hatten.
Das internationale Forscherteam unter Leitung von Martin Cordiner (Goddard Space Flight Center der NASA) interpretiert den Kometen als ein außergewöhnlich gut erhaltenes Fragment eines urtümlichen Planetensystems, das vor etwa 12 Milliarden Jahren entstand. Interstellare Objekte wie 3I/ATLAS gelten als die einzigen direkt beobachtbaren Proben eisiger Planetesimale, die um andere Sterne entstanden sind, und eröffnen damit ein Fenster zur chemischen und physikalischen Vielfalt der Exoplanetenentstehung. Die Voyager-Sonden wiederum haben seit den 1970er Jahren das Bild der äußeren Planeten von bloßen Lichtpunkten zu detaillierten Welten gewandelt; ihre Langlebigkeit verdankt sich einer robusten, für heutige Verhältnisse primitiven Technik – so verfügt ein moderner Autoschlüssel über mehr Speicher als die Bordrechner der Zwillingssonden, wie Projektleiterin Linda Spilker gegenüber der BBC anmerkte.
Die nächsten Schritte umfassen die weitere spektroskopische Untersuchung künftiger interstellarer Besucher sowie die fortgesetzte Auswertung der Voyager-Daten, solange die Radionuklidbatterien der Sonden noch ausreichend Leistung liefern – voraussichtlich bis etwa 2030. Die Studie zu 3I/ATLAS unterstreicht, dass die Kombination aus weltraum- und erdgebundenen Teleskopen eine archäologische Kartierung der tiefen galaktischen Geschichte ermöglicht.
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