
Israels Luftangriffe in Gaza testen die fragile Waffenruhe — drei Tote, darunter Polizeiführer
Erneute israelische Angriffe in Gaza fordern Todesopfer und untergraben die brüchige Waffenruhe. Die Zahl der Toten seit Kriegsbeginn übersteigt 72.700.
Die jüngsten israelischen Luftangriffe im Gazastreifen haben die ohnehin fragile Waffenruhe erneut auf eine harte Probe gestellt. Nach Angaben von Medizinern und der von der Hamas kontrollierten Innenbehörde kamen mindestens drei Palästinenser ums Leben, darunter der Chef der Kriminalpolizei in Chan Junis, Wessam Abdel‑Hadi, und sein Adjutant. Ein weiterer Angriff traf das Flüchtlingslager Maghasi im Zentrum des Küstenstreifens. Die israelische Armee bestätigte die Einsätze zunächst nicht, doch aus israelischer Sicherheitsperspektive gelten die Schläge gegen die wiedererstarkte Polizei der Hamas als notwendig, um deren Reorganisation in den von ihr kontrollierten Gebieten zu unterbinden. Die Anschläge folgen auf ein US‑vermitteltes Waffenstillstandsabkommen vom Oktober 2025, das den Konflikt nach mehr als zwei Jahren nicht vollständig befrieden konnte.
Aus Washingtoner Sicht ist die Lage prekär: Die Vereinigten Staaten drängen auf eine Stabilisierung, während die jüngsten Angriffe die Vermittlungsbemühungen untergraben. In Gaza selbst haben die israelischen Angriffe nicht nur die Polizeiführung getroffen, sondern auch zivile Zonen schwer beschädigt. Augenzeugen berichten, dass israelische Kampfflugzeuge im Lager Schati westlich von Gaza‑Stadt ein Wohnhaus mit Raketen beschossen, nachdem sie die Bewohner zur sofortigen Evakuierung aufgefordert hatten. Bei dem Einschlag wurden neun Palästinenser verletzt, darunter ein Kind, und Dutzende benachbarte Häuser beschädigt. Der Zivilschutz spricht von mehreren Bränden, die zahlreiche Familien zur Flucht gezwungen haben. Insgesamt seien in den letzten 48 Stunden fünf Tote und 15 Verletzte registriert worden, so das Gesundheitsministerium in Gaza.
Die menschliche Bilanz des seit dem 7. Oktober 2023 andauernden Krieges ist erschütternd. Nach den jüngsten Angaben des Gesundheitsministeriums stieg die Gesamtzahl der Toten auf 72.737, die der Verletzten auf 172.539. Seit Inkrafttreten des Waffenstillstands am 11. Oktober 2025 kamen nach amtlicher Zählung 850 Palästinenser ums Leben, 2.433 wurden verletzt. Die Rettungskräfte haben bislang 770 Leichen aus den Trümmern geborgen – eine Zahl, die die anhaltende humanitäre Katastrophe unterstreicht. Beobachter in der arabischen Welt, insbesondere in Kairo und Riad, warnen, dass die wiederholten israelischen Angriffe die ohnehin brüchige Waffenruhe vollends gefährden könnten. Die arabischen Staaten, die an der Vermittlung beteiligt waren, sehen ihre Bemühungen zunehmend frustriert.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die sich in der EU für eine diplomatische Lösung einsetzen, stellt die Eskalation ein erhebliches außenpolitisches Problem dar. Bundeskanzler und Außenminister haben wiederholt zur Zurückhaltung aufgerufen und eine sofortige, dauerhafte Feuerpause gefordert. Die Aussicht auf eine erneute militärische Zuspitzung könnte nicht nur die ohnehin angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten destabilisieren, sondern auch die europäischen Bemühungen um humanitäre Hilfe und einen politischen Neuanfang untergraben. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Konfliktparteien bereit sind, die Waffenruhe zu bewahren – oder ob die Spirale der Gewalt erneut an Fahrt gewinnt.
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