
Israels Marine kapert Gaza-Hilfsflotte auf hoher See vor Kreta – Hunderte Aktivisten festgenommen
Die israelische Marine hat in der Nacht zum Donnerstag die sogenannte Global Sumud Flotilla auf hoher See westlich von Kreta gestoppt und nach israelischen Angaben rund 175 Aktivisten von mehr als zwanzig Booten festgesetzt. Die Flottille, die mit über fünfzig Schiffen und etwa tausend Teilnehmern aus aller Welt von Barcelona aus in Richtung Gazastreifen aufgebrochen war, sollte die seit neunzehn Jahren bestehende Seeblockade durchbrechen. Nach Darstellung der Aktivisten näherten sich israelische Schnellboote den Schiffen in internationalen Gewässern, richteten Laser und Waffen auf die Besatzungen und befahlen ihnen, sich auf die Knie zu begeben.
Die Organisation spricht von einem Akt der Piraterie und einem illegalen Menschenraub im Mittelmeer, mehr als neunhundert Kilometer von Gaza entfernt. Die Kommunikation mehrerer Boote sei unterbrochen worden; italienische Medien berichten von mindestens fünfzig italienischen Staatsbürgern an Bord, deren Schicksal ungewiss ist. Aus Tel Aviver Sicht handelt es sich um eine legitime Maßnahme zur Durchsetzung der Blockade.
Der israelische Außenministeriumssprecher erklärte, die Aktivisten seien friedlich auf dem Weg nach Israel, und veröffentlichte ein Video, das angeblich Drogen und Kondome an Bord zeigen soll. Die Aktion wird von der israelischen UN-Botschaft als „provokativ“ bezeichnet. Aus Athener Perspektive wird die Frage aufgeworfen, wie die israelische Marine so nahe an der griechischen Insel operieren konnte, ohne dass die griechische Küstenwache oder die europäische Grenzschutzagentur Frontex einschritt.
Die Türkei verurteilte den Einsatz scharf; Außenminister Hakan Fidan sprach von Piraterie. In Rom forderten Oppositionsparteien eine sofortige Unterrichtung des Parlaments durch Ministerpräsidentin Meloni. Das Auswärtige Amt in Berlin zeigte sich besorgt und verlangte Aufklärung von den israelischen Behörden.
Auch die australische Regierung sucht Kontakt zu den Behörden in Tel Aviv, da sich mehrere Australier unter den Festgenommenen befinden. Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe von Versuchen, die Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Er findet zu einem Zeitpunkt statt, da die humanitäre Lage in Gaza katastrophal ist und die internationale Gemeinschaft Israel wiederholt zur Einhaltung des Völkerrechts auffordert.
Die Frage, ob ein Staat in internationalen Gewässern Zivilisten aufbringen darf, wird nun voraussichtlich mehrere Gerichte beschäftigen. Juristen in Brüssel und Genf sehen eine klare Verletzung der Hoheitsrechte Griechenlands und des Grundsatzes der Freiheit der Meere. Sollte die Europäische Union tatsächlich Konsequenzen ziehen, könnte dies das Verhältnis zu Israel nachhaltig belasten.
Vorläufig jedoch bleibt die diplomatische Reaktion verhalten – ein Zeichen der Zögerlichkeit, die Beobachter in Washington und Peking als Einladung zu weiterer Machtausdehnung werten.
Erweitere deinen Horizont
US-Senat verabschiedet Sanktionspaket mit Zolldrohung gegen Russland-Energiekäufer
2 Sprachen · 40 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyAmazon finanziert privates Gaskraftwerk in Texas – droht größte Einzelemissionsquelle der USA
2 Sprachen · 8 Quellen