
Kanada weist US-Eintrittsforderung zurück: Carney beharrt auf gleichberechtigten Verhandlungen
Im Vorfeld der für Juli vorgesehenen Überprüfung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens CUSMA zeichnet sich ein handelspolitischer Richtungsstreit zwischen Ottawa und Washington ab. Der kanadische Premierminister Mark Carney lehnte es am Mittwoch kategorisch ab, vor Beginn offizieller Verhandlungen über das Abkommen weitere Zugeständnisse an die Vereinigten Staaten zu machen. „Nein“, antwortete Carney auf die Frage, ob Kanada bereit sei, einen von US-Seite geforderten „Eintrittspreis“ in Form von Konzessionen zu zahlen. Aus Washingtoner Sicht ist dies ein ungewöhnlicher Schritt: Der Handelsbeauftragte von Präsident Donald Trump, Jamieson Greer, hatte zuvor vor dem Repräsentantenhaus erklärt, Kanada setze auf eine „Verdoppelung der Globalisierung“ – ein Kurs, der fundamental mit Trumps Ziel einer Neuausrichtung des nordamerikanischen Handels kollidiere.
Greer drängt vor allem auf strengere Ursprungsregeln, um zu verhindern, dass Drittländer wie China subventionierte Waren über den gemeinsamen Markt einschleusen. Für die deutsche, österreichische und schweizerische Exportwirtschaft sind diese Vorgänge von erheblicher Bedeutung: Sollte es zu einer handelspolitischen Eskalation kommen, drohen indirekte Belastungen über die Lieferketten nordamerikanischer Abnehmer. Carney hingegen betonte, die USA könnten nicht allein die Bedingungen diktieren. „Wir haben eine Verhandlung, wir können zu einem für beide Seiten erfolgreichen Ergebnis kommen, aber es wird einige Zeit dauern“, sagte er auf dem Weg in die Fraktionssitzung der Liberalen in Ottawa.
Aus mexikanischer Perspektive, in den Quellen weniger beleuchtet, bleibt die Lage ebenfalls angespannt: Mexiko-Stadt verfolgt die Entwicklung mit Sorge, da das Abkommen die drei Volkswirtschaften seit den neunziger Jahren eng verflochten hat. Beobachter in Peking wiederum registrieren aufmerksam, dass die Verschärfung der Ursprungsregeln gezielt gegen chinesische Exporteure gerichtet ist. Die Haltung Carneys, der auch den Zeitdruck relativierte – „wir haben Zeit, wir haben Stärke, wir haben Optionen“ – deutet darauf hin, dass Kanada vorerst keine weiteren Zugeständnisse machen wird.
Ob dies den Weg für substanzielle Gespräche ebnet oder die Blockade verstärkt, bleibt abzuwarten. Entscheidend wird sein, ob bis zum 1. Juli eine Einigung über die Verlängerung oder Neuverhandlung des Abkommens erzielt werden kann.
Aus europäischer Sicht ist dies ein Lackmustest für die Frage, ob sich multilaterale Handelsordnung gegenüber bilateralem Druck behaupten kann.
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