
Kerosinkrise erschüttert Luftfahrt: Flugausfälle und Preisexplosion bedrohen den Sommerreiseverkehr
Die globale Luftfahrtindustrie steht vor einer ihrer schwersten Belastungsproben seit Jahrzehnten. Ausgelöst durch den Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormuz, die rund ein Fünftel der weltweiten Ölzufuhr abschneidet, sind die Kerosinpreise binnen weniger Wochen auf bis zu 200 Dollar pro Barrel gestiegen – mehr als das Doppelte des Vorkrisenniveaus. Fluggesellschaften auf allen Kontinenten reagieren mit drastischen Einschnitten: Lufthansa streicht 20.000 Kurzstreckenflüge über die nächsten sechs Monate, United Airlines erwägt eine Tariferhöhung um bis zu 20 Prozent. Die Lage, so warnen Analysten, werde sich bis zum Sommer weiter zuspitzen.
Aus nordamerikanischer Perspektive zeigt sich die Verwundbarkeit der Region besonders deutlich. Kaliforniens Kerosinreserven sind auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen – um mehr als 25 Prozent –, da der Bundesstaat vom nationalen Pipeline-Netz abgeschnitten ist. Der Treibstoffpreis am Flughafen Los Angeles liegt mit fast 15 Dollar pro Gallone rund 50 Prozent über dem Durchschnitt anderer großer Airport. In Kanada haben Air Canada, WestJet und Air Transat bereits Hunderte Flüge gestrichen und die Gebühren für Aufgabegepäck um fünf bis zehn Dollar erhöht. Budget-Airlines wie Spirit Airlines in den USA stehen angesichts der Kostenexplosion vor der Insolvenz.
Aus europäischer Warte spitzt sich die Situation ebenfalls zu: Der Flughafenverband ACI Europe warnt, dass dem Kontinent in Wochen eine akute Kerosinknappheit drohe, die zu massiven Betriebsstörungen führen könne. Neben Lufthansa drosseln zahlreiche weitere Carriers ihre Kapazitäten, insbesondere auf Routen in den Nahen Osten und nach Asien, die durch die Blockade am stärksten betroffen sind. Beobachter in Peking verzeichnen derweil steigende Spannungen auf den asiatischen Tankermärkten, da Raffinerien in Südkorea und Japan ihre Produktion drosseln müssen.
Die Aussichten für den Sommerreiseverkehr – ohnehin eine Hauptreisezeit für Urlauber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – sind düster. Der Chef von Chevron, Mike Wirth, erwartet, dass die Preise für Flugtickets in den kommenden Wochen weiter steigen und die Auswahl an Flügen schrumpfen wird. Angesichts der Weltmeisterschaft im Juni in den USA könnten zudem transatlantische Verbindungen zusätzlich belastet werden. Flugreiseexperten raten Reisenden, Buchungen nicht länger aufzuschieben, in der Hoffnung auf sinkende Tarife – eine solche Entspannung sei nicht absehbar. Die Krise an der Straße von Hormuz hat sich zu einem strukturellen Problem entwickelt, das die globale Mobilität nachhaltig verändern könnte.
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