
Korruptionsermittlungen erschüttern das Prestigeprojekt Brücke über die Straße von Messina
Die römische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen ehemaligen Rechnungshofrichter, einen Anwalt und einen Unternehmer wegen versuchter Einflussnahme auf das Prüfverfahren.
Die Affäre um die seit Jahrzehnten geplante Brücke über die Straße von Messina hat eine neue Dimension erreicht. Die römische Staatsanwaltschaft durchsuchte Büros und Wohnungen von drei Verdächtigen, darunter Tommaso Miele, der ehemalige Vizepräsident des italienischen Rechnungshofs (Corte dei Conti). Ihnen wird vorgeworfen, versucht zu haben, das Prüfverfahren zum milliardenschweren Infrastrukturprojekt zu manipulieren. Laut Durchsuchungsbeschluss sollen sie anderen Rechnungshofrichtern Posten und Vorteile angeboten haben, um ein positives Votum zu erreichen. Die Ermittler stützen sich auf abgehörte Telefonate und beschlagnahmte Dokumente, die ein Netzwerk aus Gefälligkeiten und Versprechungen offenlegen.
Der Rechnungshof hatte im Oktober 2025 das erste Finanzierungsdekret für die Brücke gestoppt und drei gravierende Mängel beanstandet. Dies löste heftige Reaktionen der Regierung aus. Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini, ein vehementer Befürworter des Projekts, sprach von einem „schweren Schaden für das Land“ und einer „politischen Entscheidung“. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte eine „Einmischung der Justiz in Regierungsentscheidungen“. Aus römischen Regierungskreisen wird nun befürchtet, dass die Affäre den Zeitplan weiter verzögern könnte. Die Betreibergesellschaft Ponte sullo Stretto SpA betont hingegen, die Ermittlungen hätten keinen Einfluss auf den Fahrplan; man arbeite weiter an der Überarbeitung des Dekrets.
Die Affäre wirft ein Schlaglicht auf die Verflechtungen zwischen Politik, Wirtschaft und Justiz in Italien. Der ehemalige Rechnungshofrichter Miele war bis zu seiner Pensionierung im März 2025 auch Präsident des Rechnungsprüfungsausschusses des Obersten Richterrats. Die Opposition spricht von einem „System der Postenvergabe“ und fordert Konsequenzen. Aus Brüsseler Perspektive beobachtet man die Entwicklung mit Sorge, da die EU-Kommission das Projekt mit Milliarden aus dem Wiederaufbaufonds unterstützt. Sollten sich die Korruptionsvorwürfe bestätigen, könnte dies die Auszahlung von Mitteln gefährden.
Die Ermittlungen sind Teil einer Reihe von Verfahren, die zeigen, wie schwierig es geworden ist, Korruption in Italien nachzuweisen. Statt Bargeld in Umschlägen stehen heute oft Beraterverträge, Gefälligkeitsgutachten oder die Besetzung von Aufsichtsratsposten im Zentrum. Die Staatsanwaltschaft Rom versucht nun, diese modernen Formen der Einflussnahme juristisch zu fassen. Der Ausgang des Verfahrens wird nicht nur über die Zukunft der Brücke entscheiden, sondern auch darüber, ob Italiens Justiz gegen die neue Art der Korruption gewappnet ist.
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