
Korruptionsvorwürfe gegen Selenskyjs Ex-Stabschef Jermak erschüttern Kiew
Die ukrainische Antikorruptionsbehörde hat Andrij Jermak, den ehemaligen Stabschef von Präsident Selenskyj, der Geldwäsche von rund 10,5 Millionen Dollar beschuldigt.
Ein politischer Paukenschlag mitten im Krieg: Andrij Jermak, bis vor einem halben Jahr der einflussreichste Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, ist am Dienstag in Kiew vor Gericht erschienen. Die Nationale Antikorruptionsbehörde NABU und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft SAPO haben den ehemaligen Chef des Präsidialamtes offiziell als Tatverdächtigen in einem Geldwäschekomplex benannt. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein luxuriöses Bauprojekt am Rande der Hauptstadt, bei dem über ein Netz von Briefkastenfirmen rund 460 Millionen Griwna – umgerechnet 10,5 Millionen Dollar – gewaschen worden sein sollen. Vier Megavillen mit je tausend Quadratmetern Wohnfläche sollten demnach die wahren Eigentümer der Gelder verschleiern. Jermak selbst wies alle Vorwürfe zurück und betonte vor Journalisten, er besitze lediglich eine Wohnung und ein Auto.
Der Mann, der jahrelang als Selenskyjs rechte Hand galt und sogar die Friedensverhandlungen mit Russland sowie die Gespräche mit Washington führte, war bereits im vergangenen November Ziel einer Durchsuchung. Seither schwelt eine Reihe von Enthüllungen, die sich um den staatlichen Atomkonzern Energoatom ranken. Insgesamt sollen laut Ermittlerkreisen umgerechnet rund 920 Millionen Kronen veruntreut worden sein. Neun Personen sind bereits angeklagt, darunter ein früherer Justizminister. Aus Kiewer Sicht ist der Fall doppelt brisant: Er trifft ausgerechnet jenes Symbol für den Kampf gegen die Korruption, das die Ukraine im Westen so gern pflegt.
Aus Washingtoner Perspektive kommt der Skandal zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da eine von den USA vermittelte dreitägige Waffenruhe gerade ausgelaufen ist, ohne den Krieg zu beenden. Die amerikanische Militärhilfe, die an Auflagen zur Rechtsstaatlichkeit geknüpft ist, könnte angesichts der neuen Enthüllungen unter Druck geraten. Beobachter in europäischen Hauptstädten – allen voran Berlin, Wien und Bern – verfolgen die Entwicklung mit wachsender Sorge. Zwar bekunden die deutschsprachigen Länder weiterhin ihre Solidarität mit der Ukraine, doch die Korruptionsaffäre nährt Zweifel an der Reformfähigkeit des Landes, die für die weitere Unterstützung aus Brüssel und den Hauptstädten unabdingbar ist.
Die Anklage gegen Jermak ist ein Coup für die ukrainischen Antikorruptionsbehörden, die unter Beweis stellen, dass auch die engsten Vertrauten des Präsidenten nicht über dem Gesetz stehen. Zugleich stellt der Fall Selenskyj vor ein Dilemma: Sein einstiger Weggefährte, der die US-Verhandlungen führte und maßgeblich am internationalen Auftritt der Ukraine beteiligt war, ist nun eine politische Belastung. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Ermittlungen tatsächlich unabhängig geführt werden oder ob sie – wie in Kiewer politischen Kreisen gemunkelt wird – parteiinternen Machtkämpfen geschuldet sind. Für die Ukraine geht es dabei nicht nur um innere Gerechtigkeit, sondern auch um die Glaubwürdigkeit gegenüber westlichen Partnern, deren Hilfszusagen zunehmend an konkrete Fortschritte im Kampf gegen die Korruption gebunden sein dürften.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Chinesische Presse | −0.20 | neutral |
Die Ermittlungen gegen Andriy Yermak, den ehemaligen Stabschef Selenskyjs, werden als politischer Skandal dargestellt, der Kiew erschüttert. Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden werfen ihm Geldwäsche vor, aber der Ton ist vorsichtig: Es wird betont, dass er nur verdächtigt, nicht verurteilt wird. Die Geschichte wird im weiteren Kontext des ukrainischen Kampfes gegen Korruption eingeordnet, mit einer Mischung aus Empörung und Skepsis gegenüber den tatsächlichen Erfolgsaussichten.
Die Nachricht wird sachlich und faktenorientiert wie ein routinemäßiges Gerichtsverfahren berichtet. Es wird erwähnt, dass Yermak der wichtigste Verhandlungsführer der Ukraine mit den USA war und während des Skandals seinen Posten verließ. Der Schwerpunkt liegt auf der angeblichen Summe (460 Millionen Hrywnja, etwa 10,5 Millionen US-Dollar), ohne politische oder emotionale Kommentare. Der Ton ist distanziert, fast bürokratisch.
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