
Mailänder Escort-Skandal erschüttert Serie A: 70 Profifußballer im Visier der Ermittler
Die italienische Justiz hat einen der größten Prostitutionsringe aufgedeckt, der sich gezielt an Stars der Serie A richtete. Vier Personen, darunter die Inhaberin der Eventagentur Ma.De., Deborah Ronchi, und ihr Lebensgefährte Emanuele Buttini, wurden unter dem Vorwurf der Bandenbildung und der Ausbeutung von Prostituierten unter Hausarrest gestellt. Nach Erkenntnissen der Mailänder Staatsanwaltschaft sollen über die Agentur höherklassige Escort-Dienste vermittelt worden sein, die in den schillernden Nächten der lombardischen Metropole ihren Ausgang nahmen und nicht selten in Luxushotels endeten. Insgesamt sollen Zahlungen von bis zu 1,2 Millionen Euro geflossen sein, an denen nach Medienberichten rund 70 Spieler beteiligt gewesen sein könnten. Die Ermittlungen der Guardia di Finanza förderten dabei ein dichtes Netz aus Champagner, Macht und sexuellen Gefälligkeiten zutage, das über Jahre hinweg funktioniert haben soll.
Aus Sicht der italienischen Staatsanwaltschaft steht nicht die Strafbarkeit der Fußballer im Vordergrund – in Italien ist die Bezahlung sexueller Dienstleistungen legal –, sondern die systematische Förderung und wirtschaftliche Ausbeutung von Frauen. Dennoch sind die Namen zahlreicher prominenter Sportler in den Akten aufgetaucht. Der französische Ex-Profi Jérémy Ménez, der einst für den AC Mailand und später in Mexiko spielte, wurde ebenso genannt wie ein Formel-1-Fahrer. Während die Behörden die Sportler vorerst lediglich als Zeugen betrachten, haben zwei der prominentesten Involvierten bereits eine juristische Offensive gestartet. Rafa Leao vom AC Mailand und Riccardo Calafiori, der kürzlich zum FC Arsenal wechselte, beteuerten über ihre Anwälte ihre völlige Unschuld. Leao forderte in einem sozialen Netzwerk, seinen Namen nicht in „willkürlicher und oberflächlicher Weise“ mit der Affäre in Verbindung zu bringen, und drohte mit rechtlichen Schritten. Auch die Vertreter Calafioris stellten klar, dass ihr Mandant weder beschuldigt noch in irgendeiner Form an der Straftat beteiligt sei.
Beobachter in Mailand sprechen bereits von einem „Calciopoli der Escorts“, in Anspielung auf den großen Manipulationsskandal der italienischen Fußballgeschichte. Allerdings geht es diesmal nicht um Spielabsprachen, sondern um das Milieu zwischen Glamour und Kriminalität, das die Serie A seit Langem begleitet. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Nationalspieler und Klubs immer wieder mit italienischen Profis in Kontakt stehen, wirft der Fall grundsätzliche Fragen auf: Wie tief reicht die Vermischung von organisiertem Verbrechen und Spitzensport? Welche Sorgfaltspflichten haben Vereine gegenüber ihren Spielern? Die Affäre kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da die Serie A um internationale Reputation kämpft. Während die Ermittlungen noch andauern, bleibt abzuwarten, ob die Staatsanwaltschaft doch noch Anklage gegen einzelne Fußballer erheben wird – etwa wegen Meineids oder anderer Delikte. Fest steht, dass der Skandal die Diskussion über die ethischen Grenzen des Fußballbusiness neu entfacht hat.
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