
Malaise in Washington: Trumps erstes Galadinner der Korrespondenten ohne Komiker
Zum ersten Mal in seiner Präsidentschaft wird Donald Trump am Samstagabend am Gala-Dinner der White House Correspondents’ Association teilnehmen – und allein diese Ankündigung verbreitet ein spürbares Unbehagen. Die Veranstalter haben, entgegen jahrzehntelanger Tradition, keinen politischen Satiriker eingeladen, der dem Präsidenten mit spitzer Zunge den Spiegel vorhält. Stattdessen soll der Mental-Magier Oz Pearlman auftreten. Die Entscheidung, den Spott durch leichte Unterhaltung zu ersetzen, ist aus Washingtoner Sicht mehr als nur eine Programmänderung: Sie gilt als Eingeständnis, dass das einst spielerische Ritual zwischen Macht und Presse unter diesem Präsidenten nicht mehr funktioniert.
Die Geschichte des Dinners ist geprägt von scharfen Konfrontationen. Aus konservativer Perspektive erinnert man sich etwa an Stephen Colberts beißende Rede unter George W. Bush 2006, die viele Republikaner als respektlos empfanden. Trump selbst wurde 2011 auf demselben Parkett von Barack Obama und Seth Meyers so gnadenlos verspottet, dass manche darin einen Auslöser für seine Präsidentschaftsambitionen sehen. Seit seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus aber hat sich der Ton fundamental verändert. Das Dinner, ursprünglich als Symbol für Pressefreiheit und den ersten Verfassungszusatz gedacht, findet nun in einem Klima statt, das von juristischen Attacken und rhetorischen Drohungen gegen Journalisten geprägt ist. Aus britischer Sicht diagnostiziert etwa der Londoner Independent eine ungesunde Symbiose: Trump brauche die Medien zur Selbstvergewisserung, die Medien bräuchten ihn als Nachrichtenmaschine, und so werde das Dinner zum Spiegel einer unbequemen Abhängigkeit.
Für Beobachter in Ottawa, wo der frankokanadische Sender Radio-Canada ein breites Publikum erreicht, ist das Ergebnis ein garantierter Malaise-Abend. Die Wahl eines Magiers statt eines Komikers wirke wie der Versuch, die Gefahr eines offenen Eklats zu bannen, und zeige zugleich, wie sehr die Furcht vor der dünnhäutigen Reaktion des Präsidenten die Redefreiheit eines ganzen Berufsstands einzuengen beginnt. Progressive US-Kommentatoren – von Vox bis Zeteo – gehen noch weiter: Man lache schon lange nicht mehr über Donald Trump, schreiben sie, denn der einstige Reality-TV-Star verstehe keinen Spaß, wenn er selbst die Zielscheibe sei. Wer an diesem Abend mit ihm an einem Tisch sitze, müsse sich fragen lassen, ob das Ritual nicht eine Normalisierung jener Angriffe auf Gerichte, Rundfunkanstalten und einzelne Reporter darstellt, die Trumps zweite Amtszeit kennzeichnen.
Der Abend wird damit zur Chiffre für den Zustand der vierten Gewalt in den Vereinigten Staaten. Aus deutschsprachiger Perspektive, wo das Vertrauen in eine robuste und unabhängige Presse als demokratische Grundfeste gilt, ist dieser Stimmungsumschwung ein Warnsignal. Wenn selbst eine Institution wie das Korrespondentendinner, das über ein Jahrhundert lang Widerworte in Gala-Robe praktizierte, den Humor als Waffe aufgibt und durch harmlose Illusionskunst ersetzt, dann ist das eine Verlustanzeige. Der Preis für einen konfliktfreien Abend könnte letztlich in der Glaubwürdigkeit jener Journalisten liegen, die wieder einmal das Gespräch mit einer Regierung suchen, die genau dieses Gespräch strategisch untergräbt.
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