
Russische Desinformationskampagnen zielen auf französische Präsidentschaftskandidaten
Drei aussichtsreiche Bewerber um das Élysée-Palast werden mit gefälschten Krankheitsgeschichten und Korruptionsvorwürfen attackiert; französische Behörden schreiben die Operationen kremlnahen Netzwerken zu.
Innerhalb weniger Tage sind drei prominente Kandidaten für die französische Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 Ziel massiver Desinformationskampagnen geworden. Nach übereinstimmenden Berichten von TF1, Le Figaro und der Süddeutschen Zeitung wurden gegen den früheren Premierminister Édouard Philippe, den amtierenden Parteichef der Renaissance, Gabriel Attal, sowie den Sozialdemokraten Raphaël Glucksmann Falschnachrichten in sozialen Netzwerken gestreut. Die französische Cyberabwehrbehörde Viginum ortete den Ursprung der Angriffe in Russland und identifizierte zwei kremlnahe Propagandaeinheiten: Storm-1516 und das als Matrjoschka bekannte Troll- und Botnetzwerk.
Die Methoden der Kampagnen folgen einem wiederkehrenden Muster. Im Fall Philippes wurde über ein gefälschtes Video, das mit künstlicher Intelligenz erzeugt und mit dem Logo des Nachrichtensenders BFMTV versehen war, die Behauptung verbreitet, der 55-Jährige leide an frontotemporaler Demenz. Gegen Attal lancierte Matrjoschka unter anderem die Falschmeldung, er zeige erste Anzeichen der Parkinson-Krankheit und unterhalte Verbindungen zur Drogenmafia. Glucksmann wiederum wurde über seine Lebensgefährtin, die Journalistin Léa Salamé, attackiert; Storm-1516 erfand eine Geschichte, wonach sie Medien bestochen habe, um seine Kandidatur zu fördern. Die Inhalte wurden über zahlreiche Konten auf X und Telegram verbreitet, wobei die Urheber gezielt Logos und das Erscheinungsbild etablierter französischer Medien wie Le Monde oder AFP imitierten.
Die betroffenen Politiker reagierten unterschiedlich. Gabriel Attal erstattete nach eigenen Angaben Strafanzeige wegen ausländischer Einmischung und Manipulation von Informationen. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete zudem ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit den gegen Glucksmann gerichteten Falschbehauptungen ein. Édouard Philippes Umfeld bestätigte, die Informationen an die Behörden weitergeleitet zu haben. Alle drei Kandidaten eint eine klare Unterstützung der Ukraine und eine ablehnende Haltung gegenüber dem Kreml. In der Berichterstattung wird darauf hingewiesen, dass die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen von den Attacken bislang verschont blieb.
Die Vorfälle markieren die ersten direkt gegen Präsidentschaftsbewerber gerichteten Desinformationsoperationen in diesem Wahlzyklus. Viginum zufolge testen die Netzwerke ihre Falschmeldungen zunächst auf prorussischen Telegram-Kanälen, bevor sie diese über sogenannte „Seeder“ auf X streuen und schließlich mit fingierten Nachfragen an Journalisten herantragen, um eine Verbreitung in traditionellen Medien zu provozieren. Die französische Regierung prüft gesetzliche Maßnahmen, um die Aktivitäten solcher Trollfabriken vor der Wahl 2027 zu erschweren. Die Ermittlungen der Justiz dauern an.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.80 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | +0.20 | neutral |
Wir müssen unsere Demokratien vor ausländischer Manipulation schützen; die Beweise sind klar und das Gesetz muss handeln.
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