
Proteste, Rassismusvorwürfe und Kunst: Das zwiespältige Met Gala 2026
Beim Met Gala 2026 prallen Glamour und politische Kontroversen aufeinander: Proteste gegen Jeff Bezos, ein Rassismusstreit um Chanel und arabische Modepräsenz prägen die Nacht.
Der diesjährige Met Gala, traditionell ein Höhepunkt der New Yorker Mode- und Gesellschaftsszene, war von ungewöhnlich scharfen politischen und sozialen Kontroversen überschattet. Aus Washingtoner Sicht standen vor allem die Proteste gegen den Amazon-Gründer Jeff Bezos im Fokus, der als Ehrenvorsitzender der Veranstaltung auftrat. Aktivisten nutzten die Gelegenheit, um auf die wachsende Vermögensungleichheit in den Vereinigten Staaten hinzuweisen. In den Tagen vor dem Ball kam es in den Straßen und U-Bahnen New Yorks zu Demonstrationen, die sich gegen die Rolle des Milliardärs als Sponsor eines kulturellen Großereignisses richteten – ein Symbol für die zunehmende Politisierung der Modewelt.
Parallel dazu entzündete sich in sozialen Netzwerken und unter Modekritikern ein heftiger Streit um das Debüt der indischen Model Bhavitha Mandava auf dem roten Teppich. Die erste indische Markenbotschafterin des französischen Luxushauses Chanel erschien in einem schlichten Ensemble aus transparenter Bluse und verwaschenen Denim-Optik-Seidenhosen – einem Outfit, das in der Inszenierung des Abends deplatziert wirkte. Aus indischer und internationaler Perspektive mehrten sich die Stimmen, die Chanel Rassismus vorwarfen. Manche sahen darin eine bewusste Geringschätzung der ersten indischen Repräsentantin, während das Modehaus auf eine „Geschichte“ der Wiederkehr ihres ersten Laufsteg-Looks verwies – eine Erklärung, die von vielen als Gaslighting empfunden wurde.
Doch der Abend bot auch Raum für kulturelle Verständigung. Aus Dubai berichteten Beobachter von einer starken Präsenz arabischer Mode. Die im Libanon geborene Schweizer Influencerin Sabine Getty trug einen handgemalten Korsagenfries des saudi-arabischen Designers Mohammed Ashi, der an das Rokoko anknüpfte. Der palästinensische Designer Zaid Farouki steuerte ebenso Entwürfe bei. Ein besonderes stilles Kunstwerk schuf die in Dubai lebende palästinensische Künstlerin Samar Hejazi, deren skulpturale Mannequin-Köpfe in der begleitenden Ausstellung des Costume Institute zu sehen waren. Diese Beiträge zeigten, wie sich traditionelle Handwerkskunst in einen zeitgenössischen Mode-Diskurs einfügt.
Eine weitere, irritierende Facette war die Entscheidung einiger Gäste, ihre Gesichter ganz oder teilweise zu verhüllen. Die Schauspielerin Sarah Paulson erschien mit einer augenbedeckenden Geldnoten-Maske des Pariser Hauses Matière Fécale – ein sarkastischer Kommentar zum Reichtum des Abends. Rachel Ziegler trug eine von einem historischen Gemälde inspirierte Maske. Diese provokativen, aber auch selbstironischen Momente unterstrichen die Ambivalenz eines Events, das zwischen Kunstanspruch und Exzess oszilliert.
Selbst die berüchtigten Geschichten über das Verhalten der Stars hinter den Kulissen, die ein ehemaliger Stylist gegenüber der Boulevardpresse enthüllte – von sexuellen Eskapaden auf den Toiletten des Metropolitan Museum –, wirkten fast wie eine makabre Folie zu den ernsteren Debatten.
Blickt man nach vorne, so zeigt das Met Gala 2026, dass die Modewelt nicht länger ein politikfreier Raum ist. Die Proteste gegen Bezos, die Rassismusvorwürfe gegen Chanel und die künstlerische Selbstbehauptung arabischer und palästinensischer Kreativer deuten auf eine neue Fragmentierung hin. Aus europäischer, insbesondere deutscher und österreichischer Perspektive, wo man Mode oft als kulturelles Erbe und nicht als politisches Kampffeld betrachtet, mag dies befremdlich wirken. Doch die Zeichen stehen auf eine dauerhafte Politisierung der roten Teppiche – eine Entwicklung, die die Branche vor schwierige, aber vielleicht notwendige Fragen stellen wird.
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