
Michael Jackson als unpolitische Nostalgie: Die umstrittene Biopic zwischen Glamour und Auslassung
Die mit Spannung erwartete Michael-Jackson-Biopic „Michael“ ist in den Kinos angelaufen, und die Reaktionen könnten gegensätzlicher nicht sein. Während Fans in Dubai die Premiere enthusiastisch feierten und sich beim Moonwalk auf den Gängen des Vox Cinemas selbst inszenierten, zeigt sich die internationale Kritik tief gespalten. Aus amerikanischer Sicht wird der Film als „deprimierend“ und „oberflächlich“ bezeichnet: Das von Antoine Fuqua inszenierte Werk blende die schwerwiegenden Vorwürfe des Kindesmissbrauchs, die Schmerzmittelabhängigkeit und die seltsamen öffentlichen Auftritte des Künstlers weitgehend aus, so der Tenor in Rezensionen von der „New York Times“ bis zur „Los Angeles Times“.
Die Zustimmungswerte auf Rotten Tomatoes liegen bei mageren 31 Prozent, auch wenn die darstellerische Leistung von Jaafar Jackson, dem Neffen des Sängers, durchweg gelobt wird. Aus europäischer Perspektive, etwa von der britischen „Independent“ und spanischen „La Gaceta“, wird die Inszenierung als „aseptisch“ und „geschmacklos“ kritisiert, da sie eine verklärte Heldenreise zeichne, die den realen Menschen Jackson hinter dem Mythos verberge. In Lateinamerika, wo der Film in Argentinien und Mexiko vorab gezeigt wird, erwarten Medien wie „Excelsior“ trotzdem einen kommerziellen Erfolg, angetrieben durch die ungebrochene Popularität des King of Pop.
Ein bemerkenswertes Detail liefert die technische Seite: Wie „Radio-Canada Info“ berichtet, entstanden wesentliche Teile der visuellen Effekte in Quebec, wo rund 300 Fachkräfte aus vier Studios monatelang an den opulenten Musiksequenzen feilten – ein ökonomischer Lichtblick für die dortige Filmindustrie. Aus indischer Sicht wiederum steht Jaafar Jackson im Fokus, dessen familiäre Verbindung zum Star die Erwartungen der dortigen Zuschauer zusätzlich befeuert. Die deutsche und österreichische Presse hat den Film noch nicht abschließend bewertet, doch angesichts der kritischen Voten aus den USA und Großbritannien ist ein nüchterner Empfang wahrscheinlich.
Die eigentliche Frage aber bleibt: Lässt sich das Genie Michael Jackson von seinem zerrütteten Privatleben trennen? Der Film versucht es – mit dem Risiko, weder den einen noch das andere gerecht zu werden. Entscheidend für die Zukunft des Biopic-Genres wird sein, ob das Publikum solche Leerstellen akzeptiert oder ob der wachsende Anspruch an historische Aufrichtigkeit die Nostalgie überschreibt.
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