
Microsoft gibt KI-Exklusivität preis: OpenAI öffnet sich für Amazon und Google
Die bislang engste Allianz der jungen KI-Industrie wird neu justiert. Microsoft und OpenAI haben am Montag eine grundlegende Revision ihrer Partnerschaft bekannt gegeben, die das jahrelang gepflegte Exklusivrecht des Softwareriesen aus Redmond an den Modellen des ChatGPT-Erfinders beendet. Künftig darf OpenAI seine Künstliche Intelligenz direkt über konkurrierende Cloud-Plattformen vertreiben – ein Schritt, der aus Washingtoner Sicht vor allem auf Amazon Web Services zielt, aber auch Google Cloud neue Chancen eröffnet. Im Gegenzug entfällt die bisherige Umsatzbeteiligung, die Microsoft für den Weiterverkauf von OpenAI-Produkten auf seiner Azure-Plattform entrichtete. Die Aktie des Windows-Konzerns gab nach Bekanntgabe um knapp drei Prozent nach, während Titel von Alphabet und Amazon moderat zulegten.
Damit schreiben die beiden Unternehmen ein Abkommen fort, dessen Revisionstempo selbst Branchenkenner überrascht. Erst im Oktober 2025 hatten sie ihre Beziehung nach Abschluss der gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierung OpenAIs neu geordnet – nun folgt binnen eines halben Jahres bereits die zweite Anpassung. Seit 2016 hat Microsoft schätzungsweise mehr als 13 Milliarden Dollar in das von Sam Altman geführte Unternehmen investiert und sich im Gegenzug eine Lizenz am geistigen Eigentum OpenAIs bis mindestens 2032 gesichert. Diese Lizenz bleibt bestehen, ebenso der Status von Azure als bevorzugter Cloud-Partner: Neue Produkte sollen zuerst auf Microsofts Infrastruktur erscheinen – es sei denn, der Konzern könne oder wolle die nötigen Kapazitäten nicht bereitstellen.
Aus Sicht des Silicon Valley markiert die Neuregelung eine Zäsur. OpenAI hatte zuletzt intern wie öffentlich signalisiert, dass die exklusive Bindung an Microsoft zum Hemmnis werde. Vertriebschefin Denise Dresser verwies in einem internen Schreiben darauf, dass viele Großkunden längst auf AWS-eigene KI-Dienste wie Bedrock setzten und die Partnerschaft den Zugang zu diesen Unternehmen erschwere. Beobachter in Peking dürften die Entwicklung aufmerksam verfolgen, setzt China doch selbst massiv auf staatsgelenkte KI-Ökosysteme und betrachtet die Fragmentierung westlicher Allianzen als strategische Gelegenheit.
Für die DACH-Region sind die Implikationen vielschichtig. Deutsche Industrieunternehmen, die ihre Cloud-Strategien häufig auf mehreren Anbietern aufbauen, gewinnen an Flexibilität. Wer bislang zögerte, OpenAI-Modelle zu nutzen, weil dies eine Bindung an Azure voraussetzte, kann künftig über AWS- oder Google-Cloud-Verträge einsteigen. Schweizer Finanzdienstleister mit strengen Compliance-Anforderungen könnten von der nun möglichen Multi-Cloud-Nutzung profitieren, da sie ihre sensiblen Daten in selbst gewählten Umgebungen belassen können. Österreichische Mittelständler wiederum, die oft auf AWS als primären Cloud-Partner setzen, erhalten direkten Zugang zu einer Technologie, die ihnen bisher nur über Umwege offenstand.
Vorausschauend betrachtet leitet die Entflechtung eine neue Wettbewerbsphase ein. OpenAI emanzipiert sich schrittweise von seinem grössten Geldgeber und positioniert sich als plattformunabhängiger Anbieter – eine strategische Notwendigkeit, will das Unternehmen seinen astronomischen Bewertungsansprüchen gerecht werden. Microsoft wiederum signalisiert Gelassenheit: Der Konzern diversifiziert sein eigenes KI-Portfolio längst über OpenAI hinaus und treibt proprietäre Modelle sowie eigene Chip-Entwicklungen voran. Die vielbeschworene «Bromance» der KI-Branche weicht einer nüchternen Geschäftsbeziehung – für Anwender in Berlin, Wien und Zürich dürfte dies in erster Linie mehr Auswahl und sinkende Preise bedeuten.
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