
Milliardenschwere Medienfusion: Warner-Bros.-Aktionäre stimmen für Paramount-Übernahme – und die Skepsis wächst
Mit überwältigender Mehrheit haben die Anteilseigner von Warner Bros. Discovery am Donnerstag den Weg für die bisher größte Fusion in der Geschichte Hollywoods freigemacht. Paramount Skydance um den CEO David Ellison erhält grünes Licht, das Traditionsunternehmen zu übernehmen – ein Signal, das weit über die Studios in Burbank hinausstrahlt. Ellison feierte das Votum in einem internen Memo an die Belegschaft als „Vertrauensbeweis der Aktionäre“ für den Plan, einen „Medien- und Unterhaltungskonzern der nächsten Generation“ zu formen. Der Kaufpreis beläuft sich auf 81 Milliarden Dollar, unter Einrechnung der übernommenen Schulden gar auf mehr als 110 Milliarden; je Warner-Aktie sollen 31 Dollar fließen. Verzögert sich der Abschluss über den 30. September hinaus, erhalten die bisherigen Eigentümer eine vierteljährliche Warteprämie von 25 Cent pro Aktie – ein Detail, das die Komplexität der kartellrechtlichen Prüfungen erahnen lässt, die in Washington und Brüssel erst beginnen.
Dem Aktionärsvotum vorausgegangen war ein monatelanger Bieterstreit, in dessen Verlauf der Warner-Vorstand zunächst vor dem Risiko einer Paramount-Offerte gewarnt und eine Vereinbarung mit Netflix favorisiert hatte. Die überraschende Kehrtwende zugunsten von Paramount Skydance markiert nicht nur einen taktischen Sieg Ellisons, sondern auch eine tektonische Verschiebung der Branchenarchitektur: Erstmals würden mit Paramount Pictures und Warner Bros. zwei der fünf großen Hollywood-Studios unter einem Dach vereint, inklusive ihrer gewaltigen Inhaltsbibliotheken und der Nachrichtenmarken CBS und CNN. Aus Washingtoner Perspektive ruft genau diese Ballung von Meinungsmacht Bedenken hervor, zumal die Ellison-Familie, deren Vermögen auf den Oracle-Gründer Larry Ellison zurückgeht, als politisch eng mit dem Lager um Ex-Präsident Donald Trump verbunden gilt. In Israel beobachtet man den Deal ebenfalls mit gemischten Gefühlen: Die Ellisons unterhalten traditionell enge Beziehungen zum jüdischen Staat. David Ellison beteuerte zwar, die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN und CBS werde „uneingeschränkt gewahrt“, doch Kritiker befürchten eine schleichende Einflussnahme auf die Nahost-Berichterstattung.
In der Kreativszene von Los Angeles formiert sich unterdessen lauter Widerstand. Eine Koalition aus Schauspielern, Regisseuren, Gewerkschaften und Verfechtern der Meinungsfreiheit, angeführt vom Democracy Defenders Fund, hat eine Petition mit über 4000 Unterschriften vorgelegt und kämpft gegen die endgültige Genehmigung. Die Sorge: Ein fusionierter Gigant verenge den Spielraum für Autoren und Filmschaffende, drücke die Produktionsvielfalt und gefährde Arbeitsplätze. Aus Sicht der europäischen Wettbewerbshüter in Brüssel stellen sich ähnliche Fragen, freilich zugespitzt auf den audiovisuellen Binnenmarkt: Wird der neue Konzern Netflix und Disney mit einer schieren Wucht an Inhalten herausfordern, die für unabhängige Produzenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz kaum noch zu überbieten ist? Oder entsteht ein nachfragestarker Kunde, der in hiesige Kreativleistungen investiert? Die Antwort wird auch davon abhängen, welche Auflagen die EU-Kommission verhängt.
Für die deutschsprachigen Medienmärkte birgt der Zusammenschluss Chancen und Risiken zugleich. Auf der einen Seite könnten deutsche Filmproduktionen und Serienformate über die gebündelten Streaming-Plattformen ein globaleres Publikum finden. Andererseits droht eine weitere Machtkonzentration, die Verhandlungspositionen von Sendern und kleinen Anbietern schwächt. Berlin und Wien werden den Fortgang der kartellrechtlichen Prüfung in Brüssel daher genau verfolgen, ebenso wie die Frage, ob Washington dem Deal unter einer Regierung, die selbst für wirtschaftsfreundliche Deregulierung steht, überhaupt Steine in den Weg legt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Aktionärszustimmung nur eine Etappe war – oder bereits die Vorentscheidung in einem der prägendsten Medienkämpfe dieses Jahrzehnts.
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