
Miranda Priestly kehrt zurück: ‚Der Teufel trägt Prada 2‘ dominiert die Kinokassen und die Debatte um Journalismus
Mit globalen Einnahmen von 114,6 Millionen Dollar in den ersten Tagen hat sich ‚Der Teufel trägt Prada 2‘ an die Spitze der internationalen Kinocharts gesetzt. Allein in Italien spielte der Film nach drei Tagen über acht Millionen Euro ein, in Nordamerika kamen 32,5 Millionen Dollar hinzu. Aus italienischer Perspektive bestätigen die Zahlen einen ungebrochenen Appetit auf die Rückkehr der Fashion-Queen Miranda Priestly – und auf die Frage, wie sich das kulturelle Erbe der Nullerjahre in die Gegenwart retten lässt.
Die Fortsetzung, die in 51 Märkten Platz eins belegte, zeigt eine reifere Andy Sachs als preisgekrönte Journalistin, die nach der Schließung ihrer Zeitung durch einen feindlichen Konzern zurück ins Modehaus Runway gedrängt wird. Rezensionen aus den Vereinigten Staaten loben die schauspielerische Leistung von Meryl Streep, kritisieren jedoch die mangelnde visuelle Finesse des Originals, die in der Fortsetzung einer nüchternen, fast dokumentarischen Ästhetik weicht. Aus spanischer Sicht wird der Verlust der Kostümbildnerin Patricia Field besonders schmerzlich vermisst; die Kleidung, die einst die Machtdynamiken sichtbar machte, wirke nun austauschbar.
Zugleich dokumentiert der Film die strukturelle Krise des Journalismus mit einer Dringlichkeit, die an die aktuelle Medienrealität erinnert. In mehreren Szenen – etwa einer Preisverleihung, die in Massenentlassungen umschlägt – erkennt man laut amerikanischen Medienkritikern den existenziellen Druck, unter dem viele Redaktionen heute stehen. Der Film nutze die Modebranche als Bühne, um über wirtschaftliche Abhängigkeiten und ethische Kompromisse zu sprechen.
Eine ganz andere Perspektive eröffnet die modejournalistische Selbstreflexion. Kate Reardon, einst Assistentin bei der amerikanischen Vogue, beschreibt ihre eigene Laufbahn als Spiegel der Handlung: Sie sei als ungeschickte Andy gestartet und inzwischen zur selbstbewussten Miranda geworden. Aus Londoner Sicht wird damit sichtbar, wie sehr der Film den Mythos des Modebetriebs reproduziert, aber auch entzaubert.
Anna Wintour, das reale Vorbild für Miranda Priestly, hat sich dem Vernehmen nach lange gegen die Parallelen gewehrt; inzwischen wirbt das Magazin offen für den Film. Die Spannung zwischen Ablehnung und Vereinnahmung unterstreicht, wie sehr die Erzählung vom Aufstieg durch Härte in der Branche zum gefälligen Narrativ geworden ist. Die prominent besetzten Cameo-Auftritte – von Models bis zu Sportgrößen – zeugen von der Bereitschaft der Popkultur, sich in das Franchise einzureihen.
Was bleibt, ist die Frage, ob es dem Sequel gelingt, den Nerv der Zeit so präzise zu treffen wie sein Vorgänger. Während der erste Film den Aufbruch in eine Ära grenzenloser Medienexpansion spiegelte, zeigt die Fortsetzung eine Branche, die um ihr Überleben kämpft. Für ein deutschsprachiges Publikum, das ähnliche Konzentrationsprozesse im Verlagswesen erlebt, mag die Botschaft vertraut, aber nicht weniger beunruhigend sein.
Der Erfolg an den Kinokassen beweist vor allem eins: Die Sehnsucht nach erzählerischer Klarheit in unübersichtlichen Zeiten ist ungebrochen – selbst wenn die Mode inzwischen eine andere Sprache spricht.
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