
Moskau beendet Währungspause: Rubel unter Druck durch Wiederaufnahme der Devisenkäufe
Das russische Finanzministerium kündigte an, bereits ab Mai die seit Ende März ausgesetzten Devisen- und Goldoperationen im Rahmen der Haushaltsregel wieder aufzunehmen. Ursprünglich war eine Rückkehr frühestens zum Juli erwartet worden. Aus Moskauer Sicht dient der Schritt dazu, die Binnenwirtschaft stabiler und berechenbarer zu machen und die Abhängigkeit von den Schwankungen der Energiemärkte zu verringern. Die Behörde wird die in den Monaten März und April aufgeschobenen Geschäfte nachholen, was die Volumina zusätzlich erhöht.
Die Entscheidung fällt in eine Phase hoher Ölpreise. Nach Daten von Argus Media, die Bloomberg zitiert, lag die russische Sorte Urals in den ersten dreizehn Apriltagen bei durchschnittlich 106,30 Dollar je Barrel – fast das Doppelte der im Etat einkalkulierten 59 Dollar. Diese üppigen Öleinnahmen bedeuten, dass das Finanzministerium große Mengen an Yuan für den Nationalen Wohlstandsfonds erwerben muss. Der Rubel, der sich von 82 auf etwa 75 Rubel je Dollar erholt hatte, reagierte prompt: An der Moskauer Börse fiel die russische Währung gegenüber dem Yuan um mehr als ein Prozent, wie Interfax berichtete.
Ein fester Rubel ist aus Regierungssicht unerwünscht, weil er die Erlöse aus Rohstoffexporten in Rubelrechnung schmälert. Die Wiederaufnahme der Interventionen ist daher auch ein Signal, dass die Währungsbehörden den Rubel gezielt schwächen wollen. Aus Washingtoner oder Brüsseler Perspektive mag dies als weiterer Beleg für die zunehmende finanzielle Isolation Russlands gesehen werden, da die Geschäfte vorrangig in Yuan abgewickelt werden – der Dollar und Euro sind für Moskau weitgehend tabu. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Unternehmen noch immer mit Russland handeln oder dort Tochtergesellschaften unterhalten, bedeutet dies eine schwierigere Kalkulation: Wechselkursrisiken nehmen zu, und die Rubelschwäche könnte die Importkosten für westliche Waren weiter in die Höhe treiben.
Beobachter in Finanzkreisen rechnen damit, dass die jetzige Ankündigung erst der Anfang einer Serie von Interventionen ist. Solange die Ölpreise auf dem aktuellen Niveau bleiben, wird der Rubel weiter unter Druck geraten. Das wiederum könnte die Inflation in Russland anheizen – eine Entwicklung, die die Zentralbank mit ihrem am 25. April anstehenden Zinsentscheid zu kontern versuchen wird. Die Kombination aus expansiver Fiskalpolitik und einer von den Erdöleinnahmen getriebenen Währungsflut birgt Risiken für die innere Stabilität, die Moskau mit dem vorzeitigen Einstieg in die Haushaltsregel zu bändigen versucht.
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