
Moskau kehrt zur Haushaltsregel zurück: Rubel unter Druck durch Yuan-Käufe
Die Ankündigung des russischen Finanzministeriums, ab Mai die Devisen- und Goldoperationen im Rahmen der Haushaltsregel wieder aufzunehmen, markiert eine geldpolitische Zäsur. Der temporäre Stopp Ende März war als Schutz vor Turbulenzen gedacht, doch nun kehrt Moskau mit einer klaren Botschaft zur Normalität zurück: Die Regel, die Überschüsse aus Ölexporten in ausländische Währungen umwandelt, soll die Wirtschaft gegen Preisschwankungen auf dem Energiemarkt immunisieren und die Planbarkeit erhöhen. Die aufgeschobenen Transaktionen für März und April werden im Mai nachgeholt, was die Volumina erheblich vergrößert.
Aus Moskauer Sicht ist die Wiederaufnahme vor allem ein Signal der Stabilität. Der Rubel hatte sich seit Ende März von 82 auf 75 Rubel je Dollar aufgewertet – eine Entwicklung, die die Wettbewerbsfähigkeit russischer Exporte schwächt und die Haushaltseinnahmen in Rubel schmälert. Nun kehrt der Druck zurück. Weil der Preis für die russische Rohölsorte Urals mit durchschnittlich 106 Dollar je Barrel weit über den im Budget veranschlagten 59 Dollar liegt, werden die Überschüsse massiv in chinesische Yuan umgewandelt, die in den Nationalen Wohlfahrtsfonds fließen. Analysten in Peking beobachten diesen Prozess aufmerksam, denn der Yuan gewinnt als Leitwährung im russischen Außenhandel weiter an Bedeutung. Die Rubel-Schwäche gegenüber der chinesischen Währung, die an der Moskauer Börse bereits um mehr als ein Prozent nachgab, unterstreicht die zunehmende Entdollarisierung der russischen Finanzströme.
In Washington und Brüssel wird die Maßnahme als weiteres Indiz für die Loslösung Russlands vom westlichen Finanzsystem gewertet. Die dortigen Experten verweisen jedoch auf die Risiken: Ein zu schwacher Rubel könnte die Inflation neu anfachen, die die Notenbank erst mühsam eingedämmt hat. Die russische Zentralbank hat den offiziellen Dollarkurs auf 74,83 Rubel gesenkt, den niedrigsten Stand seit Februar 2023, doch am Markt setzt bereits eine Abwärtsbewegung ein. Volkswirte rechnen mittelfristig mit einem weiteren Rutsch in Richtung 70 Rubel, eine Marke, die vor wenigen Wochen noch Utopie schien. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die weiterhin Rohstoffe aus Russland beziehen, bedeutet ein schwächerer Rubel tendenziell günstigere Importpreise, sofern die Sanktionsregime dies zulassen. Die Zunahme der Währungsvolatilität fordert jedoch ein genaues Risikomanagement. Die Wiederaufnahme der Haushaltsregel zeigt: Moskau setzt trotz geopolitischer Isolation auf haushaltspolitische Disziplin – die Saat für einen kontrollierten, aber unvermeidlichen Wertverfall des Rubel ist gelegt.
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