
Moskauer Gericht verurteilt Journalistin Darja Schipatschewa zu zwölf Jahren Haft wegen Hochverrats
Der Schuldspruch beruht mutmaßlich auf einer Geldüberweisung an einen Verwandten in der Ukraine; das Verfahren fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und dauerte nur anderthalb Stunden.
Das Moskauer Stadtgericht hat die Journalistin Darja Schipatschewa Ende Juli zu zwölf Jahren Haft in einer Kolonie des allgemeinen Regimes verurteilt. Wie die Nachrichtenagentur Interfax und das Exilmedium Mediazona übereinstimmend berichten, verhängte das Gericht zudem eine Geldstrafe von 300.000 Rubel und ordnete die Konfiskation von 1,5 Millionen Rubel an. Die Staatsanwaltschaft hatte genau diese Strafe beantragt. Schipatschewa gestand die ihr vorgeworfene Tat nach Artikel 275 des Strafgesetzbuches (Hochverrat) und kooperierte mit den Ermittlern; das Gericht setzte die Strafe deshalb auf das gesetzliche Mindestmaß fest.
Zur Begründung des Urteils wurde nichts bekannt, da die Verhandlung vollständig hinter verschlossenen Türen stattfand. Medien wie das Wissenschaftsportal T-Invariant und Mediazona zitieren jedoch Quellen aus dem Umfeld der Journalistin, wonach Auslöser der Ermittlungen eine Geldüberweisung an einen zivilen Verwandten in der Ukraine gewesen sei. Die in der Ukraine geborene Schipatschewa habe dort Verwandte; die Ermittler sollen die Transaktion umgedeutet und zur Grundlage des Hochverratsvorwurfs gemacht haben. Eine Freundin sagte Mediazona, sie wisse nicht, ob das Geld an die ukrainische Armee geflossen sei.
Schipatschewa war am 23. April 2025 in ihrer Moskauer Wohnung von Spezialeinheiten des OMON festgenommen worden. Nachbarn berichteten, die Beamten seien gewaltsam eingedrungen. Zunächst wurde sie in eine Untersuchungshaftanstalt in Rostow am Don gebracht, später in das berüchtigte Lefortowo-Gefängnis in Moskau verlegt. Ihre Familie und der Pflichtverteidiger hielten den Fall lange geheim, weil eine härtere Strafe befürchtet wurde; erst kurz vor der Urteilsverkündung bat die Journalistin darum, Pressevertreter einzuladen.
Die 35-jährige Schipatschewa war auf Medizin- und Wissenschaftsjournalismus spezialisiert und schrieb unter anderem für Forbes Russia, RBK und das Sozialportal Takije Dela. Sie litt selbst unter chronischen Schmerzen, veröffentlichte ein Buch zu diesem Thema und gab einen Podcast heraus. Vor ihrer Festnahme war sie im Internet massiven Anfeindungen und Drohungen durch Anhänger der inzwischen verbotenen ultranationalistischen Gruppe „Männerstaat“ ausgesetzt, die sie wegen feministischer Äußerungen ins Visier nahmen.
Das Urteil fügt sich in eine Serie von Hochverratsverfahren in Russland. Nach Angaben des Exilmediums Wyorstka wurden allein im ersten Halbjahr 2026 landesweit 312 Personen wegen Hochverrats, Spionage oder illegaler Zusammenarbeit mit einem ausländischen Staat verurteilt – so viele wie nie zuvor. Das Medium berichtet, nur vier Prozent der Angeklagten hätten Zugang zu Staatsgeheimnissen gehabt; ein Drittel sei zufällig ins Visier der Behörden geraten.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.80 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | +0.20 | neutral |
A Moscow court sentenced journalist Daria Shipacheva to 12 years for treason in a closed trial with unclear charges. Sources say the case stems from a wire transfer to a Ukrainian relative, reinterpreted as treason. The lack of transparency and the police raid underscore the crackdown on independent journalism.
A Moscow court sentenced journalist Daria Shipacheva to 12 years for treason, with a fine of 300,000 rubles and confiscation of 1.5 million. The defendant pleaded guilty; the closed trial is standard for secrecy cases. The sentence matches the prosecution's request.
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