
Nach dem Triumph: Ausschreitungen in Paris überschatten PSG-Finaleinzug
127 Festnahmen und Dutzende Verletzte nach Feierlichkeiten in der französischen Hauptstadt. Die Polizei spricht von schweren Ausschreitungen.
Die Nacht nach dem Halbfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Paris Saint-Germain und Bayern München endete in der französischen Hauptstadt mit einer düsteren Bilanz. Ausgelassener Jubel über den erstmaligen Einzug ins Endspiel schlug binnen Minuten in Gewalt um. Innenminister Laurent Nuñez bezifferte die Zahl der Festnahmen im Großraum Paris auf 127, davon allein 107 in der Stadt. 23 Polizisten erlitten leichte Verletzungen, elf Zivilisten wurden verletzt, einer davon schwer durch einen Feuerwerkskörper. Die Staatsanwaltschaft in Paris ordnete für 95 der Festgenommenen die Untersuchungshaft an.
Die Qualifikation der Pariser stand nach einem 1:1-Unentschieden im Prinzenparkstadion fest – genug, um das 5:4 aus dem Hinspiel in München über die Zeit zu retten. Noch vor dem Abpfiff strömten Tausende auf die Straßen rund um das Stadion und die Champs-Élysées, eine Flaniermeile, deren Versammlungsverbot die Behörden zuvor verhängt hatten. Was als spontane Feier begann, eskalierte rasch. Randalierer zündeten Pyrotechnik, schossen Feuerwerkskörper und Mortiergeschosse ab, die offenbar gezielt gegen Einsatzkräfte und Unbeteiligte gerichtet wurden. Auf dem Place de la Concorde umzingelte eine Gruppe von rund einem Dutzend Personen einen Pkw und griff den Fahrer an; ähnliche Szenen wiederholten sich in mehreren Vierteln. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Ausschreitungen zu unterbinden.
Aus Pariser Sicht wiederholt sich damit ein gefürchtetes Muster. Bereits nach dem Meistertitel im vergangenen Jahr war es zu Plünderungen und Ausschreitungen gekommen – die Behörden hatten diesmal mit Verboten gegengesteuert, doch die Maßnahmen erwiesen sich als unzureichend. Innenminister Nuñez verurteilte die Gewalt via Fernsehansprache als inakzeptabel und kündigte eine lückenlose Strafverfolgung an. Beobachter in der Hauptstadt verweisen auf die strukturelle Schwierigkeit, Massenfeiern im öffentlichen Raum zu kontrollieren, sobald sich gewaltbereite Elemente unter die friedlichen Fans mischen.
Aus deutscher Perspektive rückt neben der Sicherheitslage auch das sportliche Abschneiden des FC Bayern in den Fokus. Der deutsche Rekordmeister, der in der Allianz Arena noch eine Führung verteidigt hatte, scheiterte diesmal trotz eines leidenschaftlichen Auftritts in Paris. Die deutsche Presse zeigt sich enttäuscht, lobt aber die Disziplin der mitgereisten eigenen Fans, die weitgehend von den Krawallen verschont blieben. Die Münchner Polizei hatte vor der Partie zu erhöhter Vorsicht geraten; die Rückkehr der bayerischen Anhänger verlief jedoch ohne Zwischenfälle.
Der Vorfall in Paris wirft ein Schlaglicht auf die bevorstehende Champions-League-Finalwoche. Das Endspiel findet in diesem Jahr im Stade de France in Saint-Denis statt – derselbe Ort, der 2022 vor dem Finale zwischen Liverpool und Real Madrid chaotische Szenen mit Hunderten von Eindringlingen erlebte. Beobachter in ganz Europa verfolgen die Entwicklung mit Sorge. Die Ausschreitungen nach dem Halbfinale könnten die Behörden zwingen, die Sicherheitskonzepte drastisch zu verschärfen. Für Paris wird die Aufgabe nicht nur darin bestehen, die sportliche Gipfelstimmung zu kanalisieren, sondern auch die öffentliche Ordnung gegen wiederkehrende eruptive Gewalt zu verteidigen.
Erweitere deinen Horizont
US-Senat verabschiedet Sanktionspaket mit Zolldrohung gegen Russland-Energiekäufer
8 Sprachen · 40 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyAmazon finanziert riesiges Gaskraftwerk in Texas für KI-Rechenzentren
6 Sprachen · 10 Quellen