
Belfast erhebt sich gegen den Hass: Tausende demonstrieren nach rassistischen Ausschreitungen
Nach ausländerfeindlichen Unruhen infolge einer Messerattacke versammeln sich Tausende zu einer antirassistischen Kundgebung – ein Signal der Solidarität in einer gespaltenen Region.
Am Samstag verwandelte sich der Vorplatz des Belfaster Rathauses in ein Meer aus Plakaten und Sprechchören: Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Hass“ protestierten nach Angaben der Veranstalter bis zu 20.000 Menschen friedlich gegen die gewaltsamen Ausschreitungen der Vortage. „Rassisten geht nach Hause“, „Hass ist die einzige Bedrohung auf unseren Straßen“ und „Belfast steht gegen Rassismus“ war auf den Schildern zu lesen. Die Kundgebung, organisiert von der Gruppe United Against Racism, war die unmittelbare Antwort der Zivilgesellschaft auf zwei Nächte, in denen vermummte Männer Häuser mutmaßlicher Migranten in Brand setzten, Autos zerstörten und Polizisten mit Steinen und Brandsätzen angriffen.
Die Gewaltwelle entzündete sich an einer brutalen Messerattacke, die sich am Montagabend im Norden der Stadt ereignet hatte. Ein 30-jähriger Sudanes, der 2023 Asyl beantragte und eine Aufenthaltserlaubnis erhielt, wird des versuchten Mordes an dem Nordiren Stephen Ogilvie beschuldigt, der bei dem Angriff ein Auge verlor und schwere Schnittverletzungen erlitt. Das Tatvideo kursierte rasch in sozialen Netzwerken und wurde von rechtsextremen Agitatoren wie Tommy Robinson instrumentalisiert; selbst Elon Musk griff in die Debatte ein. In Ost-Belfast, einem traditionell protestantischen Viertel, zeigten sich Anwohner erschüttert über die Verwüstung, einige äußerten jedoch auch Verständnis für die aufgestaute Wut – ein bitteres Echo der jahrzehntelangen „Troubles“, deren Schatten über der Region liegt.
Die Ereignisse in Belfast sind kein isoliertes Phänomen. Ähnliche Spannungen zeigten sich zeitgleich im schottischen Glasgow, wo eine antirassistische Demonstration von Gegnern mit Hitlergrüßen gestört wurde. Die nordirische Polizei nahm mehr als zwei Dutzend Randalierer fest; der britische Nordirlandminister Hilary Benn sprach von einer Atmosphäre der Angst, nachdem Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe aus ihren Wohnungen vertrieben worden waren. Aus Sicht kontinentaleuropäischer Beobachter erinnern die Szenen an fremdenfeindliche Ausschreitungen der letzten Jahre in verschiedenen EU-Staaten – von Chemnitz bis Stockholm. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, wo die Debatte über Migration und öffentliche Sicherheit zunehmend polarisiert, bietet Belfast ein besorgniserregendes Beispiel dafür, wie schnell aus gezielten Provokationen Flächenbrände werden können.
Die Kundgebung der Tausenden sendet ein starkes Zeichen des Zusammenhalts. Doch die strukturellen Herausforderungen bleiben: Die jüngsten Gewaltexzesse offenbaren eine tief verwurzelte soziale Orientierungslosigkeit in einer noch immer fragilen Postkonfliktgesellschaft, die mit steigenden Einwanderungszahlen und verhärteten Gemeinschaftsgrenzen ringt. Entscheidend wird sein, ob politische Entscheidungsträger in London und Belfast die Kraft finden, integrationspolitische Versäumnisse aufzuarbeiten, während sie gleichzeitig rechtsextreme Mobilisierungen entschlossen bekämpfen – eine Herausforderung, die weit über die irische See hinausweist.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Israelische Presse | −0.50 | critical |
| Iranische & verwandte Presse | +0.10 | neutral |
Nach den Ausschreitungen in Belfast prägen ausgebrannte Autos und Häuser das Bild und versetzen viele Anwohner in Angst, die an die Troubles erinnert wird. Neben der Verurteilung der Gewalt gibt es auch Stimmen, die Verständnis für den Zorn der Randalierer äußern, was tiefe gesellschaftliche Risse offenbart.
In Belfast haben Angriffe auf Migranten eine Angst wiederbelebt, die man mit den Troubles begraben glaubte. Ein Anwohner, der den konfessionellen Konflikt erlebte, ist schockiert, dass dunkelhäutige Menschen zur Zielscheibe werden, und die Migrantengemeinschaften erleben wachsende Unsicherheit.
Tausende versammelten sich in Belfast, um nach Tagen der Unruhen Rassismus zu verurteilen. Die Demonstranten trugen Schilder, die Hass ablehnen und Solidarität mit Migranten bekunden.
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