
Narges Mohammadi schwebt in Lebensgefahr – Iran verweigert Verlegung nach Teheran
Die Friedensnobelpreisträgerin liegt nach zwei Herzinfarkten im Krankenhaus. Ihre Anwältin fürchtet das Schlimmste. Internationale Ärzteverbände fordern sofortige Behandlung.
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi kämpft um ihr Leben. Seit Tagen liegt die 53‑Jährige in einem Krankenhaus der nordwestiranischen Provinzstadt Zandschan, nachdem sie in ihrer Zelle das Bewusstsein verloren hatte und zwei Herzinfarkte erlitt. Ärzte sprechen von einem kritischen Zustand, die Familie von einem „Schweben zwischen Leben und Tod“. Ihre Anwältin Schirin Ardakani erklärte in Paris, man fürchte jeden Moment das Ende. Sie zog Parallelen zum chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo, der 2017 unter Bewachung starb, und zum russischen Oppositionellen Alexej Nawalny – ein düsterer Verweis auf das Schicksal regimekritischer Nobelpreisträger in autoritären Staaten.
Aus Teheran heißt es, die staatlich bestellten Mediziner hätten Mohammadis Verlegung in eine besser ausgestattete Klinik in der Hauptstadt grundsätzlich empfohlen. Doch Sicherheitsbehörden blockierten den Transport. Der Bruder der Inhaftierten, Hamidreza Mohammadi, der in Oslo lebt, spricht von einer „systematischen Verzögerungstaktik“. Die Behörden weigerten sich offenbar, die Nobelpreisträgerin der spezialisierten Versorgung zuzuführen, die ihr zustehe. Mohammadi, die 2023 für ihren jahrzehntelangen Einsatz für Menschenrechte und die Gleichstellung der Frauen ausgezeichnet wurde, sitzt seit Dezember 2024 erneut in Haft – überwiegend in Einzelhaft, unter Bedingungen, die internationale Organisationen als Folter bezeichnen.
Die Weltärztevereinigung schaltete sich ein. Ihre Präsidentin Jacqueline Kitulu forderte die iranische Führung auf, Mohammadi unverzüglich Zugang zu notwendiger medizinischer Behandlung zu gewähren. Die Verweigerung sei ein „eklatanter Verstoß gegen das Recht auf Gesundheit“ und gefährde das Leben der Patientin. Aus Washingtoner Sicht reiht sich der Fall in eine Serie von Misshandlungen politischer Gefangener ein, die das Regime in Teheran mit internationalen Abkommen wie dem UN‑Zivilpakt in Konflikt bringt. Die Europäische Union mahnte ebenfalls eine sofortige Verlegung an – aus Paris, Berlin und Wien kamen scharfe Proteste.
Aus westlicher Perspektive steht viel auf dem Spiel. Sollte Mohammadi in Haft sterben, wäre dies ein weiterer Schlag gegen die Glaubwürdigkeit des iranischen Justizsystems und ein Symbol für die Unterdrückung jeder Regung von Freiheit. Die langjährige Aktivistin, deren Kampagne „Frau, Leben, Freiheit“ weltweit bekannt wurde, ist zur Galionsfigur des Protests gegen die Islamische Republik geworden. Beobachter in Teheran hingegen verweisen auf den wachsenden innenpolitischen Druck, dem sich die Führung ausgesetzt sieht. Eine Nachgiebigkeit gegenüber Forderungen aus dem Westen könnte als Schwäche ausgelegt werden.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die iranischen Behörden dem internationalen Druck nachgeben oder ob sie die Eskalation riskieren. Die Anwältin Ardakani formulierte es nüchtern: „Wir kämpfen nicht nur für ihre Freiheit, sondern dafür, dass ihr Herz weiterschlägt.“
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